Vom Krankenhaus zum Standesamt – Heiraten in der Schwangerschaft

Heiraten in der Schwangerschaft

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Ich wollte nie wieder heiraten, meine Worte. Aber Kinder ändern einiges, auch meine Meinung zum Thema heiraten. Es ist einfach schöner, einen gemeinsamen Nachnamen zu tragen. Und von der Absicherung mal ganz abgesehen. Eine Vaterschaftsanerkennung und Sorgerechtsvereinbarung kann damit auch entfallen.

Wie ich euch in meinen Weihnachtstraditonen bereits erzählt habe, schenken wir uns jedes Jahr zum Weihnachtsfest gemeinsame Zeit. Im letzten Jahr ging es nach Berlin.

Der Antrag

Was mich schon beim Packen unserer Tasche wunderte, ich sollte ihm ein Hemd bügeln. Das passte so gar nicht zu ihm und seinem Freizeitlook.

In Berlin angekommen waren wir den ganzen Samstag auf den Beinen. Wir hatten die Museeumsinsel unsicher gemacht. Nach einem kleinem Nachmittags-Schläfchen (ich war immer so müde, trug ja auch schon eine ordentliche Kugel mit mir rum) sollte es zum Brandenburger Tor gehen. Er wandte sich an mich mit den Worten: „Du kannst dich ruhig hübsch zurecht machen.“ Wie frech! Er trug das Hemd.

Mit dem Taxi ging es zum Brandenburger Tor. Davor stand eine Hochzeitsgesellschaft mit mehreren Autos und lauter Musik. Darüber war er etwas genervt, oder war das Nervosität? So langsam hatte ich eine Ahnung was kommen würde. Wir gingen zur Rückseite des Brandenburger Tors in der Hoffnung, dass es dort etwas ruhiger sei. Aber weit gefehlt, auch hier laute Musik. Wir gingen wieder zurück.

Er nahm mich in den Arm. Wir schauten zum Brandenburger Tor. Und er sagte: „Wir machen immer so tolle Sachen zusammen, und du bist auch ganz toll. Und weil ich so toll bin, musst du mich heiraten!“ Er hielt mir eine kleine, verpackte Schachtel unter die Nase. Keine Frage, eine Aufforderung! Ich begann die Schachtel auszupacken, er wurde schon ganz unruhig. „Was sagst du denn jetzt?“ „Ich muss erstmal auspacken.“ Und da war er, mein Verlobungsring. Natürlich sagte ich ja.

Zum Essen ging es dann ins Adlon, dort hatte er einen Tisch reserviert. Extra mit Blick auf das Brandenburger Tor, mit einer roten Rose auf dem Tisch.

Februar - Verlobung unter dem Brandenburger Tor
Verlobung unter dem Brandenburger Tor

Die Hochzeitsvorbereitungen

Er hatte sich schon alles ganz genau überlegt. Er wusste wann, wo und wie wir heiraten würden. Die Zeit bis dahin: Nicht einmal zehn Wochen!

Nun gut, dann planen wir mal eine Hochzeit.

Zuerst die Dokumente anfordern für die Anmeldung zur Eheschließung. Nach 14 Tagen hatten wir alles zusammen. Da wir nicht in unserem Standesamt heiraten wollten, wurden die Unterlagen weiter geschickt. Die Bestätigung unseres Wunschtermins erhielten wir sechs Wochen vor unserem großen Tag. Das Restaurant hatten wir in der Zwischenzeit gefunden. Auch wenn wir nur im kleinen Kreis feiern wollten, suchten wir etwas mit Privatsphäre. Das dritte Restaurant entsprach unseren Vorstellungen. Das Menü hatten wir schnell abgestimmt. Nachdem unser Termin bestätigt und das Restaurant reserviert war, konnten wir auch die Einladungen bestellen.

Noch fünf Wochen. Die Einladungen sind versandt. Aber was sollte ich bitte anziehen? Der Zukünftige hatte eine Farbe vorgegeben: Rot. Wäre ich ja selbst nie drauf gekommen. Ich konnte ja nicht viel früher bestellen, denn ich wusste ja nicht wie groß der Bauch werden würde?! Und das Internet gab nicht viel her an roter Umstandsbrautmode. Es war zum Verzweifeln. Doch dann machte ich bei Pinterest die Entdeckung – Tiffany Rose. Ein Anbieter aus England. Ich bestellte 8 Kleider in unterschiedlichen Designs und Größen, meine arme Kreditkarte. Aber durch das 14-tägige Rückgaberecht war dies die perfekte Möglichkeit. Wenn nichts dabei gewesen wäre, hätte ich immer noch Zeit für die Suche nach einem Kleid gehabt. Die Hälfte war schnell aussortiert und meine Freundin half mir bei der finalen Entscheidung. Geschafft!

Noch vier Wochen. Jetzt mussten die Ringe bestellt werden. Wir hatten uns für klassische Modelle entschieden. Bei der Besprechung der Rahmendaten mit der Verkäuferin ging es mir dann zu schnell. Als wir den Laden verließen, war ich mir sehr unsicher. Wenn das mal alles so richtig war.

Ich wollte gern noch eine Fotografin. Auch wenn wir im kleinen Kreis feiern würden, so sollte es trotzdem ein richtiges Hochzeitsbild geben. Drei Wochen vor unserem Termin fand ich sie. Es passte zwischen uns. Auch geschafft.

Die Hochzeitstorte was das einfachste. Meine Schwester kann super backen, diese würde uns eine Torte nach meinen Vorstellungen machen.

Noch zwei Wochen und die Ringe sind schon fertig. Sie passen und gefallen uns. Die Sorgen waren ganz umsonst.

Jetzt fehlte noch der Brautstrauß. Mit Brautkleid ging es zum Floristen vor Ort, sie verstanden sofort, was ich mir vorstellte. Die letzte Woche brach an.

Unsere Ringe 📸 Sabine Schütz
Unsere Ringe 📸 Sabine Schütz

Ohne Umwege ins Krankenhaus

Es war Montag, in zwei Tagen sollte geheiratet werden. Ich hatte einen Termin zur Kontrolle bei meiner Frauenärztin. Sie kontrollierte den Gebärmutterhals und wurde unruhig. Nur noch 22 mm. Was das hieß? Zu dieser Zeit hatte ich noch keine Ahnung.

Ich sollte ins Krankenhaus. In meiner Naivität fragte ich noch, ob es auch Donnerstag reichte. Wir wollten ja heiraten. Nein, sofort. Ich rief meinen Zukünftigen an und er holte mich ab. Ich durfte nicht mehr selbst fahren und sollte auf dem direkten Weg ins Krankenhaus.

Wir hatten bisher nur eine Klinik besichtigt, also würde es diese werden. Eine Tasche hatte ich natürlich noch nicht gepackt. Auf der Fahrt war ich ganz ruhig. Wusste ich ja immer noch nicht was eigentlich los war.

Im Krankenhaus kam ich ans CTG, mein erstes CTG. Die Linien gingen rauf und runter, auch hier wusste ich nicht was es bedeutet. Ich sollte es erfahren – ich hatte Wehen. Ich spürte davon nichts. Ich wurde stationär aufgenommen und bekam die erste Spritze zur Lungenreife sowie einen Tropf zum Wehen hemmen.

Wehenhemmender Tropf
Wehenhemmender Tropf

Dienstag bekam ich dann die zweite Spritze für die Lungenreife. Mittlerweile wusste ich, dass die Gefahr für eine Frühgeburt bestand. Ich wurde wieder an das CTG angeschlossen, dieses war nun ohne Wehen. Bei der Visite hieß es: Nach den 48 Stunden Tropf würde ich entlassen werden, wenn der Gebärmutterhals sich erholt hat. Eine Freistellung für ein paar Stunden – für die Hochzeit – ist aus versicherungstechnischen Gründen nicht möglich.

Meinen Frisörtermin sagte ich bereits ab. Familie und Freunden sagten wir gar nicht das ich im Krankenhaus lag. Ich wollte keine Fragen, wie: „Wie geht dir?“ „Findet die Hochzeit statt oder nicht?“ Die Einzige die Bescheid wusste war meine Mutter. Die kam mich auch gleich besuchen. Manchmal braucht man einfach seine Mama.

Ich wurde erneut untersucht. Leichte Trichterbildung, aber der Gebärmutterhals hatte wieder 35 mm. Wenn ich am nächsten Morgen Wehen frei wäre, würde ich heiraten können. Der werdende Papa brachte also mein Kleid und alles drum herum ins Krankenhaus.

Der Tag der Hochzeit

Mittwoch. Heute sollte es soweit sein. Während ich am CTG saß kam meine Frisörin. Der liebe Bald-Mann hatte sie ins Krankenhaus bestellt. Der Countdown lief, noch zwei Stunden bis zur Hochzeit. Weiterhin keine Wehen. Sollte es tatsächlich klappen? Während der Tropf weiter lief wurden mir die Haare aufgedreht, hoch gesteckt und das Gesicht geschminkt.

Der Countdown läuft, noch zwei Stunden
Der Countdown läuft, noch zwei Stunden

Dann musste ich mich selbst entlassen, denn die 48 Stunden des Tropfes waren noch nicht ganz um. Die Ärzte gaben ihr ok. Das Kleid anziehen und los. Meine Eltern holten mich aus dem Krankenhaus ab und fuhren mit mir direkt zum Standesamt.

Dort erzählten wir kurz der Familie wo ich her kam und dann ging es pünktlich um 11:30 Uhr los.

Nun waren wir Mann und Frau. Die letzten Tage hatten mich ziemlich viel Kraft gekostet. Wir entschieden daher, dass wir nur gemeinsam zu Mittag essen und den Kaffee & Kuchen ausfallen lassen.

April - unsere Hochzeit 📸 Sabine Schütz
Mann & Frau 📸 Sabine Schütz

 

So schön, wie es war, war ich auch froh zu Hause zu sein. Ich hatte mich ab sofort zu schonen. Waren wir doch erst in der 28. Woche. Die beiden sollten sich noch möglichst viel Zeit lassen.

Zu Hause angekommen, hatten unsere Freunde noch das Haus eingenommen. Eine kleine Schnitzeljagd nach unserem Schlafzimmerschlüssel begann. Ich löste die Hinweise auf dem Sofa während mein Ehemann den nächsten Schnitzel holte.

Einer der Schnitzel
Einer der Schnitzel

Es war ein wundervoller Tag, anders als geplant, aber unvergesslich.Wie war euer großer Tag? Ich freue mich auf eure Geschichte.