Schwangerschaftsdiabetes – mein Erfahrungsbericht

Schwangerschaftsdiabetes

Nach meinem Krankenhausaufenthalt war es Zeit für meinen dritten Zuckertest. Und dieses Mal waren die Werte nicht mehr in Ordnung. Ich hatte einen Schwangerschaftsdiabetes – Fachbegriff: Gestationsdiabetes.

Ich sollte noch etwas weiter ausholen, warum ich drei Zuckertests in der Schwangerschaft hatte. Üblicherweise ist ja nur einer vorgesehen.

Meine Großmutter und ihr Bruder hatten Diabetes. Ich bin daher erblich vorbelastet. Zudem wurde in 2012 bei mir eine Insulinresistenz festgestellt. Damit kein Diabetes ausbricht, habe ich mit diesen drei Maßnahmen meine Werte stabilisiert.

  1. Gewicht reduzieren (minus 20kg)
  2. Verzicht auf einfache Kohlenhydrate
  3. tägliche Bewegung wie schwimmen, Rad fahren und joggen

Innerhalb von vier Monaten waren meine Werte wieder soweit in Ordnung, dass ich nicht medikamentös eingestellt werden musste.

Durch diese Faktoren wurden in der Schwangerschaft meine Zuckerwerte mehrfach kontrolliert. Üblich ist ein kleiner Zuckertest in der 24.-28- Schwangerschaftswoche. Bei diesem trinkt man eine Lösung mit 50 mg Traubenzucker. Nach einer Stunde wird der Blutzuckerspiegel kontrolliert. Bei mir wurde von Anfang an ein großer Zuckertest gemacht. Das heißt die Traubenzuckerlösung enthält 75 mg und der Blutzuckerspiegel wird drei mal kontrolliert. Nüchtern, nach einer Stunde und nach zwei Stunden.

Bei meinem dritten Test war mein Wert nach einer Stunde erhöht. Ich wurde an einen Diabetologen überwiesen. Dort bekam ich direkt am nächsten Tag einen Termin. Die Diätassistentin besprach mit mir meine Ernährung und wies mich in mein Blutzucker Messgerät ein. Ich hatte nun 7 mal am Tag meine Zuckerwerte zu kontrollieren und darüber Tagebuch zu führen.

Wann musste ich messen?

  1. nüchtern direkt vor dem Frühstück
  2. 1h nach dem ersten Bissen vom Frühstück
  3. nüchtern direkt vor dem Mittagessen
  4. 1h nach dem ersten Bissen vom Mittagessen
  5. nüchtern direkt vor dem Abendessen
  6. 1h nach dem ersten Bissen vom Abendessen
  7. vor dem Schlafen gehen
Schwangerschaftsdiabetes Tagebuch
Schwangerschaftsdiabetes Tagebuch

Wie wird gemessen?

Mit der Stechhilfe piekst die Lanzette in den Finger. Der gewonnene Tropfen Blut wird auf einem Teststreifen platziert. Wichtig: Erst den Teststreifen ins Messgerät einlegen! Das Messgerät zeigt innerhalb von Sekunden den aktuellen Blutzuckerspiegel.

Ein keiner Tipp: zum Pieksen – nutzt nur die letzten drei Finger und immer die Außenseite.

Wo am besten Piksen
Wo am besten Pieksen

Die Sollwerte des Blutzuckerspiegels müssen sein:

Nüchtern: 60-90 mg/dl
nach 1h: 140 mg/dl
nach 2h: 120 mg/dl

In der Folgewoche hatte ich einen weiteren Termin um das Tagebuch und die weiteren Maßnahmen zu besprechen. Da ich die Werte gut im Griff hatte, war eine Behandlung mit Insulin vorerst nicht nötig.

Die weitere Überwachung meiner Werte erfolgte über WhatsApp. Jeden Montag versandt ich mein Tagebuch. Ich erhielt daraufhin die Rückmeldung, wie weiter zu verfahren sei. Nur bei Auffälligkeiten hätte ich erneut vorstellig werden müssen.

Dies war für mich eine komfortable Möglichkeit, da ich seit dem Krankenhausaufenthalt auf dem Sofa fest saß.

Ich hatte meine Werte weiter gut im Griff, so dass ich nicht auf Insulin eingestellt werden musste. Dadurch, dass ich mir aufschrieb was ich aß, wusste ich genau, auf welche Lebensmittel ich wie reagiere.

Schwangerschaftsdiabetes Tagebuch
Schwangerschaftsdiabetes Tagebuch

Für mich hieß das, Reduzierung der Kohlenhydrate. Wer noch gut zu Fuß ist, kann die Werte auch durch Bewegung nach unten bekommen. Für mich war dies leider nicht möglich.

Mit der Geburt ist ein Schwangerschaftsdiabetes in der Regel vorbei. Es bleibt jedoch ein erhöhtes Risiko in den nächsten Jahren ein Diabetes Typ 2 zu bekommen. In meinem Fall wird ein Jahr nach der Geburt eine erneute Kontrolle erfolgen.

Wie war das bei euch? Konntet ihr auch auf Insulin verzichten?

4 Kommentare zu „Schwangerschaftsdiabetes – mein Erfahrungsbericht

  1. So, jetzt gehts kommentieren hier :-). Ich find Deinen Beitrag super, viele wissen nämlich wenig. Was eventuell fehlt, ist, dass es so für Dich vorgegeben wurde, die Therapie kann sich unterscheiden, so auch die Zielwerte, wobei die von Dir genannten schon die üblichen sind. Insulin ist aber nichts schlechtes und nicht plazentagängig, schädlicher sind schlechte Werte. Es wird auch diskutiert, wieviel Kohlenhydrate man zu sich nehmen soll. Die Tipps zum in die Finger pieksen und wie man korrekt notiert sind aber super gut und wichtig, da es viele nicht richtig machen! Ich bin Typ1erin, habe also immer Diabetes und damit drei Schwangerschaften erlebt. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du keinen Typ 2 bekommst! Was anderen Schwangeren mit Gestationsdiabetes eventuell noch helfen würde, sind Tipps fürs satt werden mit weniger Kohlenhydraten, an so einem Artikel arbeite ich allerdings grad auch, aber ich finde, Informationen und Tipps kann es nie genug geben. Liebe Grüße!

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    1. Hi! Ich Danke dir für deinen Kommentar. Magst du deinen Artikel hier verlinken, wenn du ihn fertig hast!? Das wäre doch toll. Bei mir vermutet man sogar LADA. Dann würde ich auch in Typ 1 rutschen. Insulin ist tatsächlich kein Problem, da hatte ich auch keine Angst vor. Erfordert nur ein hohes Maß an Disziplin, oder?

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