Der erste Tag der Twins

Der erste Lebenstag

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Nach der Entbindung hieß es, dass ich nach vier Stunden zu den Twins auf die Neonatologie darf. Jedoch wurde ich nach drei Stunden vorzeitig auf Station gebracht. Da die Narkose noch wirkte, durfte ich nicht in den Rollstuhl und damit nicht über die Frühchenstation. Ich sah die Twins in dieser Nacht nicht mehr. Ich konnte es kaum glauben. War ich froh, dass der Papa noch Fotos für mich machte. So konnte ich sie zumindest auf dem Handy betrachten.

In kam in ein Dreibettzimmer. Dort war bereits eine Mama mit ihrem Kind. Wie gemein, wo ich meine Kinder nicht mal sehen konnte, geschweige denn bei mir haben. Doch zum Glück bekam ich von der restlichen Nacht wenig mit, immer wieder fiel ich in den Schlaf. Die Schmerzmittel halfen weitestgehend. Und am nächsten Morgen wurde meine Zimmernachbarin schon entlassen.

Mein Zimmer war nicht auf der Geburtsstation, da diese voll war. Das hieß, mich betreute keine Hebamme, sondern eine Krankenschwester. Somit lief der erste Tag für mich als Mutter nicht so, wie es für gewöhnlich gewesen wäre.

Wie lief also mein Tag?

Um 7 Uhr kam eine Krankenschwester zu mir. Ich fragte sie: „Wann kann ich zu meinen Kindern?“ „Wenn der Katheter gezogen wurde.“ „Wann wird er gezogen?“ „Kann ich machen.“ „Ok, kann ich dann gleich rüber?“ „Nein, wir müssen erst gemeinsam zur Toilette. Sie müssen sich melden, wenn Sie müssen.“ „Ich brauche was zu trinken.“ „Sie dürfen aber auch nicht allein rüber. Wann kommt ihre Familie?“ Na klasse. Der einzige Tag an dem mein Mann kein frei nehmen konnte war heute. Also meine Eltern anrufen. Sie setzten sich gleich ins Auto. Um 9 Uhr waren sie da, ich musste auch endlich zur Toilette. Die Schwester war zufrieden, kurz frisch machen, in den Rollstuhl und rüber. Ich würde nun das erste Mal meine Kinder sehen. Ich war wahnsinnig aufgeregt.

10:00 Uhr. Ich drückte die Klingel zur Neonatologie. Die Twins lagen dort auf der Intensivstation. 11 Stunden nach ihre Geburt saß ich nun in meinem Rollstuhl und sah sie das erste Mal. Sie lagen getrennt in Inkubatoren. Nur mit einer Windel bekleidet. Beatmet. Überall Schläuche und Kanülen. Ich war mit dieser Situation absolut überfordert. Und in diesem Moment ganz allein auf der Welt. Ich wollte sie so unbedingt halten. An mich drücken und nicht mehr los lassen.

Ich legte meine Hand auf ihre kleinen Körper. Abwechselnd meine Kinder das erste Mal berühren. Ich wollte sie halten, durfte aber noch nicht. Mein Kreislauf war nicht stabil genug. Ich konnte noch immer nicht glauben, dass dies meine Kinder sein sollten. Es war noch so unwirklich. Ich versandt eine Nachricht an Freunde und Bekannte, dass die Twins geboren wurden. Den Text hatte ich schon lange fertig. Las ihn nicht nochmal über. Und so richtig passte er nicht. Aber das fiel mir erst Wochen später auf.

Nach 1,5 Stunden kehrten wir auf mein Zimmer zurück. Über die Mittagszeit war auf der Neo Übergabe und wir mussten die Station verlassen. Mir wurde eine Milchpumpe gebracht. Wie ich sie zu bedienen hatte wurde mir kurz erklärt und eine Broschüre da gelassen. Meine Eltern gingen etwas essen. Ich wurde in ein Einzelzimmer verlegt, das war mir ganz recht.

Um 14:30 Uhr durften wir wieder zu den Twins. Nun durfte ich sie auch nacheinander halten oder besser gesagt kängeruhen. Meine kleinen Babies wurden mir auf meinen nackten Oberkörper gelegt. Sie hatten so viele blonde Haare. Die Welt stand still. In dem Moment veränderte sich alles. Es war immer noch schwer zu begreifen, dass es meine Kinder sein sollten, aber ich begann es zu glauben. Das waren meine Kinder! Und ich liebte sie schon jetzt über alles.

Nach zwei Stunden kehrte ich zurück auf mein Zimmer und meine Eltern fuhren heim. Jetzt ging es darum, die Milchproduktion anzukurbeln. Das Ergebnis war bis dahin alles andere als zufriedenstellend.

Der Papa kam am Abend noch mal vorbei. Er wollte seine Kinder noch einmal in Ruhe betrachten. Hatte er ihren ersten Lebenstag ja so gut wie verpasst. Auch er konnte sie nun endlich berühren. Da stand er nun, mein Ehemann, der Vater meiner Kinder. Voller Stolz und Liebe schaute er auf seine Söhne. Mit der Geburt unserer Kinder verliebte ich mich noch mehr in ihn.

Wie es weiter ging auf der Neo, das erzähle ich euch separat.

Wie war euer erster Tag mit euren Kindern?