Unsere Stillgeschichte in drei Akten – Akt 1 Pumpen, Zufüttern und Stillen

Unsere Stillgeschichte in drei Akten - Akt 1 Pumpen, Zufüttern und Stillen

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  • Stillen ist Liebe
  • Stillen ist Natürlich
  • Stillen ist Schön
  • Muttermilch ist das beste
  • Jede Frau kann Stillen

Dies sind nur einige Aussagen zum Thema Stillen, die mir begegneten.

Ich stellte mir den Stillstart völlig romantisch vor: Das Kind kommt zur Welt, wird einem auf dem Bauch gelegt, sucht mit seinem Mund gleich die Brust und weiß wie es funktioniert. Saugt kräftig, als Mutter hast du Tränen in den Augen.

Was aber, wenn du deine Kinder nach der Geburt gar nicht zu Gesicht bekommst?

Ich möchte euch von meiner Stillbeziehung zu den Twins erzählen. Der Stillbeginn war für mich harte Arbeit. Doch ich möchte euch Mut machen. Meine Frühchen Zwillinge sind Stillkinder. Nicht von Anfang an, aber wir haben es geschafft. Lest selbst:

Die Zeit in der Klinik

Bei 34+4 kamen meine Twins per Kaiserschnitt nach Blasensprung zur Welt. Ich konnte sie nicht direkt halten, ich bekam sie nicht einmal zu sehen. Der romantische Start der Stillbeziehung blieb daher aus. Nach elf Stunden sah ich sie das erste Mal. Sie lagen getrennt in ihren Inkubatoren, mit Atemhilfen, Infusionen und zahlreichen Kabeln zu den Monitoren. An Stillen war in diesem Moment überhaupt nicht zu denken. Wäre mir mittags nicht eine Milchpumpe ins Zimmer gebracht worden, wer weiß, wann ich selbst darüber nachgedacht hätte. Ich bekam eine Broschüre zum Abpumpen und mir wurde kurz das Gerät erklärt. Ich probierte es auch direkt aus. Das hatte ich mir irgendwie anders vor gestellt. Das wichtige erste Anlegen nach der Geburt fehlte völlig. Das Pumpen in Abwesenheit der Kinder machte es nicht besser. Dabei hatte ich Milch. Die Flecken auf meinen Shirts ließen sich nicht leugnen. Das erste Pumpen brachte 2ml. Damit sollte ich zwei Kinder satt bekommen? Wohl kaum. Aber sie hatten ihre Magensonden sowieso bereits erhalten.

Alle zwei Stunden saß ich also mit meinem neuen besten Freund und versuchte ein paar Tropfen Milch rauszusaugen. Sogar in den Nächten stellte ich mir immer den Wecker. Ich fühlte mich wie eine Kuh an der Melkmaschine. Es war ein unangenehmes Gefühl, noch dazu hatte ich während des Pumpens starke Nachwehen.

Ich kam mit dem Handling des gleichzeitigen Pumpens nicht zurecht, ich pumpte daher jede Seite einzeln. Damit dauerte das ganze eine halbe Stunde. Und das für 2ml. Auch am zweiten Tag wurde es nicht wirklich mehr.

In den nächsten Tagen erhöhte sich meine Milchmenge von 30ml auf 50ml zu 60ml. Es wurde zunehmend mehr. Das war ein beruhigendes Gefühl. Noch reichte meine Milch nicht um die Kinder voll zu versorgen. Aber fast.

Das Krankenhaus hatte auf der Wöchnerinnenstation auch eine Stillberaterin. Die hätte ich nach einer Woche gerne mal gesprochen. Denn ich hatte Fragen:

  • Wie viel Milch am Tag wäre normal?
  • Wie kann ich die Menge steigern?
  • Pumpe ich richtig?

Wie es dann immer so ist, natürlich hatte diese gerade Urlaub. Die Schwestern der Neo beruhigten mich, ich sollte mich nicht verrückt machen. Doch wenn ich in der Nacht meine Milch in den Kühlschrank stellte und die volleren Fläschchen der anderen Mütter sah, dann beunruhigte mich das schon.

Die ersten Anlegeversuche

Als die Atemhilfen nach einer Woche entfernt wurden, durfte ich die ersten Anlegeversuche machen. Endlich. Wir begannen mit Kind 2, dieser saugte an seinem Nuckel schon ganz kräftig. Und auch an der Brust wusste er was zu tun ist. Dann probierten wir es mit Kind 1. Und das klappte gar nicht, als ob ihm der Instinkt fehlen würde.

Dabei wollte ich doch so gern stillen, quälte mich mit dem Pumpen. Und wie es immer heißt: Muttermilch ist doch das beste.

Ich versuchte Kind 2 nochmal anzulegen, doch er war zu müde. Sie bekamen meine Milch bisher über die Magensonde. Alle drei Stunden. Nun sollten sie es mit der Flasche probieren. Der Kinderarzt gab die Trinkmenge vor. Alles was sie nicht schafften, gab es über die Magensonde hinterher.

Auch wenn wir noch nicht wirklich stillten, so hatte das Anlegen zumindest auf die Milchmenge einen positiven Einfluß. Es waren nun 90 ml je Pumpvorgang.

Der nächste Tag. Ich war hoch motiviert. Hatte ich aus meinem Umfeld zu oft gehört, dass es mit dem Stillen bestimmt nicht klappen würde. Es würde. Ihr werdet schon sehen! Mein Kampfgeist war geweckt. Wir versuchten es nochmal mit Kind 1, dieses Mal mit einem Stillhütchen. Das war das nächste was ich nie wollte. Aber wenn es hilft?! Dann auch das. Insgesamt waren die Anlegeversuche sehr aufwendig. Die Kinder wurden ganz ausgezogen, gewogen, angelegt, wieder gewogen, angezogen. Und das für so wenige ml. Wir versuchten es auch nochmal bei Kind 2 und das klappte wieder super.

Meine Hebamme kam am Folgetag zur Nachsorge. Da ich als Begleitperson im Krankenhaus bleiben konnte, kam sie direkt dorthin. Sie gab mir den Tipp, die Milchmenge mit Bockshornklee anzukurbeln. Malzbier und Stilltee waren nicht nach meinem Geschmack, das probierte ich auch gar nicht erst aus. Mittlerweile hatte ich mich auch an das Abpumpen gut gewöhnt und konnte mit dem Doppelpumpen gut umgehen. Doch meine Milch reichte nur für 1,5 Kinder.

Kind 2 schaffte 20ml an der Brust, das war super, doch leider nahm er die Flasche schlecht und bekam daher viel über die Sonde. Kind 1 schaffte schon fast das ganze Fläschchen. Und dann kamen die Hormone. Sie überrollten mich abends in meinem Zimmer. Ich hatte Sorge, dass sie nie lernen würden allein zu trinken. Was macht man in so einer Situation? Ganz genau, man fragt Google. Und man findet viel. Zahlreiche Diskussionen. Dummer Fehler! Demnach würden die Kinder nie allein trinken können.

Ja, es fühlte sich schrecklich und falsch an, dieses Füttern nach der Uhr. Das Eintrichtern der Milchmenge, ob sie wollten oder nicht. Es war völlig gegen mein Bauchgefühl. Sie wurden behandelt wie Mastschweine. Aber sie mussten ja wachsen.

Mein Mann verstand meine Ängste nicht. Er hatte Vertrauen und war voller Zuversicht. Nach meiner unruhigen Nacht kam ich zu meinen Jungs. „Wollen Sie wissen wie die Nacht war?“ Mein Herz rutschte in die Hose, das wurde ich noch nie gefragt. „Kind 1 hat heute Nacht alle Flaschen allein getrunken.“ Gestern heulte ich noch und heute moppelt er alles weg. Alle Sorgen umsonst. Sie schaffen das, ich war auch wieder voller Zuversicht. Den ganzen Tag schaffte er sein Fläschchen. Ich platze vor Stolz. Scheiß aufs Stillen. Hauptsache die Sonde kommt weg. Das veranlasste mich auch dazu, die Anlegeversuche bei Kind 2 zurück zustellen.

Und siehe da, auch er schaffte am nächsten Tag sein Fläschchen. Der Knoten war geplatzt. Die Schwestern hatten mir das immer vorausgesagt. Sie bekamen nacheinander die Sonden gezogen und hatten einen solchen Hunger, dass sie sogar vor ihrer Zeit Nachschub verlangten.

Unsere Zeit zu Hause

Wir kamen nach Hause und natürlich hatte ich das Stillen noch nicht aufgegeben. Ich legte sie immer mal wieder mit dem Stillhütchen an. Doch es war gar nicht so einfach. Stillzeiten und Abpumpzeiten trafen sich nicht so häufig. Ich veränderte daher meinen Rhythmus. Ich legte an und pumpte direkt danach. Meine Milchmenge steigerte sich zum Glück dadurch. Meine Hebamme versprach, wenn die Jungs die 3kg erreicht hätten, dann würde es mit dewm Stillen besser werden. Und tatsächlich, kaum hatten wir die drei Kilo erreicht, klappte es deutlich besser.

Saugverwirrung ist in diesem Zusammenhang ja auch immer ein großes Thema. Fläschchen, Stillhütchen, Brust und dann auch noch den Nuckel!? Ich kann nur sagen, wir hatten Glück. Sie haben das alles gut hinbekommen. Die Fläschchen aus dem Krankenhaus bekamen sie weiter. Ich hatte dort ein paar gebrauchte eingepackt und ausgekocht. Den Nuckel bekamen sie hauptsächlich im Auto.

Ich wurde mutig und stillte sogar Tandem. Auch das klappte mit Stillhütchen ganz gut. Wenn wir unterwegs waren, hatte ich meine Pumpe dabei. Denn nach jedem Stillen pumpte ich weiter ab, denn vom Stillen wurden sie immer noch nicht satt.

Ich wollte das Hütchen los werden. Vorallem nach dem mich Kind 2 richtig verkohlte. Ich dachte er trank ganz toll, doch als ich aufstand sah ich, dass mein ganzes Kleid nass war. Da hatte er nur genuckelt und alles raus laufen lassen. Der Lump. Ich kämpfte um jeden Tropfen und er verschwendete das weiße Gold.

Stillen ohne Hütchen

Mit der Hebamme besprach ich nochmal die Anlegetechnik. Sie half mir dabei. Denn ich wollte es richtig machen. Wunde Brustwarzen wollte ich nicht haben. Wir übten mit Kind 1, aber ohne Hütchen war es schwieriger für ihn. Mit Kind 2 klappte es besser. Er war von Anfang an der bessere Sauger. Für Kind 1 probierte ich das Laid-Back Nursing. Im Prinzip ist das die Stillhaltung nach der Geburt. Und das klappte wunderbar!

Langsam kam ich organisatorisch an meine Grenzen, Anlegen und Pumpen passten oft zeitlich nicht zusammen. Sie schliefen, wenn ich viel Milch hatte, also pumpte ich. Und keine 10 min später wurden sie dann wach.

Es kam der erste Schub und es wurde geclustert. Nach 45 Minuten an der Brust bekamen sie ihr Fläschchen und wollten dann sogar noch ein zweites. Mittlerweile hatten wir von Frühchen- auf Prenahrung umgestellt. Ich schaffte es nicht noch zwischen den Mahlzeiten zu Pumpen. Denn das Tandemstillen ohne Hütchen klappte noch nicht richtig.

Nach diesem Schub schaffte ich es Kind 2 ganztägig zu stillen. Ich pumpte danach direkt für Kind 1 ab. Ich versuchte das Tandemstillen erneut und es klappte. Damit bekam ich auch Kind 1 an die Brust. Ich stresste mich jetzt aber auch nicht mehr, dann gab es halt ein Fläschchen hinterher. Tagsüber kamen wir gut hin. Ich pumpte nun auch nicht mehr ab.

Zwillinge stillen auf dem Sofa
Gefangen auf dem Sofa – schlafende Twins nach dem Tandemstillen

Die Hebamme kam zum Wiegen, doch die beiden hatten nicht zugenommen. Ein Schock für mich. Der Papa sagte mir schon immer, dass sie nicht satt würden. Ich fütterte jetzt wieder nach jedem Stillen zu. Noch dazu hatte ich meinen ersten Milchstau. Ist doch nicht zu fassen, ich stillte zwei Kinder, musste sie zufüttern, weil die Milch nicht reichte und hatte bloß drei Tage nicht abgepumpt und dann einen Milchstau? Das Vollstillen rückte wieder in weiter Ferne, selbst meine Hebamme sah es nicht. Ich versuchte meinen Milchstau los zu werden und konnte mich daher auch nicht so sehr auf das Stillen konzentrieren.

Nach einer Woche hatten sie dann 500g zugenommen. Die Hebamme empfahl nur noch nach jedem zweiten Stillen ein Fläschchen zu geben. Und so schafften wir es auch die Hälfte des Tages ohne Fläschchen auszukommen. Aber dabei blieb es auch irgendwie. Ich hatte mich damit abgefunden, Pre Nahrung ist nicht das schlechteste und so sind alle zufrieden. In der Nacht wurde es einfacher, musste ich sie bisher jedesmal wach wickeln und die Seiten wechseln, damit sie nicht gleich wieder weg schliefen.

Nach vier Wochen daheim, ging der Papa wieder ins Büro. Das Stillen klappte besser. Unser Tag lief deutlich entspannter ab, ich hatte mehr Ruhe. Wir machten es uns gemütlich.

Ich hatte jedoch immer noch meinen Knubbel in der Brust. Die Hebamme schloß einen Milchstau aus, denn dann hätte ich schon Fieber und eine Entzündung bekommen müssen. Sie glaubte, es sei eine dicke Drüse. Es tat mittlerweile ziemlich weh, wenn ich dagegen kam. Ich hatte es bisher wie einen Milchstau behandelt. Wärmen, stillen, pumpen, kühlen. Heiß baden und ausstreichen. Doch nichts half. Meine Frauenärztin sprach von einem Abszess. Sollte es nicht weg gehen, müsste es operiert werden. Ich sollte abwarten, ob es von allein nach außen wandert. Bei Entzündungsanzeichen müsste ich sofort in die Notaufnahme. Das brauchte doch kein Mensch! Meine Hebamme empfahl mir daraufhin Retterspitz Wickel. Alle zwei Stunden wickelte ich eine Woche lang und hatte Glück. Es verschwand.

Wir rutschten in den zweiten Schub. Während des Dauerstillens las ich gern Bücher und war froh, mein Handy zu haben. Dauerte eine Stillmahlzeit zuletzt kaum 20 Minuten, schien sie nun gar nicht zu enden. Sie schliefen dann gern beim Stillen auf dem Stillkissen ein, doch bloß nicht versuchen sie weg zulegen. Ich war gefangen auf dem Sofa. Das Pumpen fiel damit wieder aus.

Ich schildere meine Stillgeschichte in der Facebook Gruppe „Zwillinge stillen“. Dort bekam ich eine sehr harte Antwort. Aber sie war der Anstoß für mich, das Projekt Vollstillen noch ein letztes Mal in Angriff zu nehmen. Und was soll ich sagen, zwei harte Stilltage später gab es kein Fläschchen mehr.
Am 9.8. um 20 Uhr gab ich das letzte Fläschchen nach über 9 Wochen.

Wir hatten es geschafft!

Wie es weiterging, das erzähle ich euch ein anderes Mal.

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade (Ab)gestillt von Doppelkinder und LÄCHELN UND WINKEN, wo ihr weitere ehrliche Texte findet. Viel Spaß beim Lesen.