Unsere Zeit auf der Neonatologie – Woche 1

Neo - Woche 1

Der Start ins Leben war für unsere Twins etwas zu früh. Bei 34+4 kamen sie per Kaiserschnitt zur Welt. Sie kamen direkt auf die Neonatologie. Wie es uns dort erging, erzähle ich euch heute.

Den ersten Tag habe ich bereits hier ausführlich beschrieben. Er war ein auf und ab der Gefühle. Ich war so froh, als ich meine Kinder endlich in den Armen halten durfte. Sie nicht zu jeder Zeit selbst aus ihren Inkubatoren nehmen zu dürfen, sondern immer um Erlaubnis und Hilfe zu fragen war jedoch ein merkwürdiges Gefühl.

Ich bekam während des Krankenhausaufenthaltes in der 28. Schwangerschaftswoche die Spritze zur Lungenreife. Trotz dieser Spritze benötigten die Jungs Hilfe beim Atmen. Auch das Wärmehalten und Essen musste erst gelernt werden.

Sie lagen also nur in Windeln bekleidet in ihren Inkubatoren. Diese wurden mit gelben Decken bedeckt, das durchscheinende Licht erinnerte sie an das Licht, dass sie aus dem Mutterleib kannten. Kind 1 hatte eine Nasenbrille und Kind 2 eine CPAP-Maske. Beide hatten Zugänge für die Infusionen und Elektroden an der Brust für die EKG-Überwachung, sowie eine am Fuß für die Messung der Sauerstoffwerte. Die Magensonde war ebenfalls bereits gelegt. Durch meinen Schwangerschaftsdiabetes mussten sie 30 Minuten nach der Geburt bereits etwas zu Essen bekommen. Auch über den Nuckel musste ich mir keine Gedanken machen. Kind 2 saugte schon fleißig an seinem.

Sie über Nacht dort zurück zu lassen war unglaublich schwer. Da war ich Mutter und konnte aber nicht rund um die Uhr für meine eigenen Kinder da sein.

Am nächsten Tag kam dann auch der Papa und durfte das erste Mal ein Kind auf dem Arm nehmen. Er war so verliebt, vom ersten Schrei an. Und nun saß er da, quatschte die ganze Zeit mit seinem Sohn. Es war so süß und ich verliebte mich gleich noch ein Stück mehr.

Kuscheln ist unglaublich wichtig für Frühgeborene. Es half bereits, bei Kind 1 konnte der Sauerstoff reduziert werden. Aber wie läuft so ein kuscheln eigentlich ab? Auf der Station waren bequeme Sessel. Eine Krankenschwester holte dann ein Baby aus dem Inkubator und legt es einem auf die Brust. Gekuschelt wird auf nackter Haut. Decke oder Handtuch drüber und einfach genießen.

Zu unserer täglichen Routine gehörte der Besuch der Physio Therapeuten. Die Therapeuten setzten Druckpunkte nach Vojta und zeigten das Handling nach Bobath.

Wir lagen auf der Neo zu Beginn auf der Intensivüberwachung. Ich beschränkte den Besuch daher auf ein Minimum. Am ersten Tag durften meine Eltern kommen am zweiten meine Schwiegermutter. Den Geschwistern erlaubte ich es noch nicht, ich wollte das die Atemhilfen dazu erstmal weg sind. Ich wollte nicht, dass dies der erste Eindruck unserer Jungs sein sollte. Ich verschickte daher auch keine Bilder.

Kind 1 bekam ab dem 3. Tag nur noch Raumluft über die Nasenbrille. Die Infusionen wurden bei beiden abgebaut. Die Twins bekamen jetzt alle Nährstoffe über die Nahrung. Mein absolutes Highlight: Ich durfte das erste Mal ein Kind wickeln. Im Inkubator ist dies schon eine kleine Herausforderung. Es mussten dabei die Hygienevorschriften der Intensivstation berücksichtigt werden. Was heißt das genau? Handschuhe anziehen, alles was man brauchte in den Inkubator legen. Die Wickelunterlage unter den Po, Windel auf, Po sauber machen, Temperatur messen, neue Windel drum. Das alles über die Seite. Die schmutzige Windel aus der hinteren Klappe raus, dann Handschuhe aus, Hände desinfizieren. Fertig. Die Temperatur wurde bei jedem Wickeln gemessen. Dies war wichtig, denn danach wurde die Temperatur am Bett eingestellt. Ich durfte ihm dann noch sein Gesicht säubern und die Haare bürsten. Das erste Mal, dass ich ihn ohne seine Mütze und Maske sah. Endlich konnte ich sein Gesicht betrachten. Erst jetzt konnte ich sehen, wie ähnlich sich die beiden waren.

Viele Frühchenstationen haben fleißige Helfer. Ehrenamtliche die für die Frühchen Nähen und Stricken. So bekamen die Kinder dort selbstgestrickte Decken sowie Mützen und Socken.

Söckchen von Ehrenamtlichen gestrickt
Söckchen von Ehrenamtlichen gestrickt

Da sich Babys noch nicht selbst drehen, ist es wichtig sie regelmäßig in verschiedene Positionen zu bringen. Das heißt mal auf den Rücken oder dem Bauch, mal auf die linke  und mal auf die rechte Seite. Zur Hilfe wurden kleine Stillkissen und kleine Säckchen zum beschweren genutzt.

Am nächsten Tag konnte bei Kind 2 die Atemmaske gegen eine Nasenbrille getauscht werden. Leider hatten wir einen kleinen Rückschlag beim Atmen von Kind 1, hier musste wieder etwas Sauerstoff zugeführt werden. Und er zog sich erneut die Magensonde. Das passierte leider häufiger. Das Neulegen fand ich immer sehr unschön.

Die Kinderärztin kam zur Kontrolle, das passierte alle 2-3 Tage. Es wurde erneut das Gehirn per Ultraschall kontrolliert. Kind 1 hatte zwei kleine Plexuszysten. Ach herrje. Was heißt das schon wieder? Die Kinderärztin beruhigte mich jedoch, es sind harmlose Zysten. Diese können sich bei der Entwicklung des Gehirns bilden.

Der Papa war auch wieder da und wir konnten somit zeitgleich mit ihnen kuscheln. Kind 2 schenkte uns dafür sein erstes Engelslächeln, das war so bezaubernd. Dieses unkontrollierte Lächeln lässt einem das Herz schmelzen. Er benötigte auch keinen zusätzlichen Sauerstoff mehr und konnte seine Temperatur besser halten. Wir konnten die Temperatur an seinem Bett nach unten stellen.

Die Kontrolle durch die Kinderärztin war wieder ok. Kind 1 bekam wieder Raumluft über die Nasenbrille. Nur seine Blutwerte der Gelbsucht waren zu hoch. Er wurde die Nacht unter das Solarium gelegt. Zuvor durften jedoch beide in neue Betten einziehen. Aus dem Inkubator ging es nun ins Wärmebettchen. Sie bekamen damit auch endlich Kleidung an. Ich selbst zog auch um. Nun waren meine fünf Tage Krankenhausaufenthalt um. Ich blieb als Begleitperson und zog in ein Mutti-Zimmer. Das bekam ich im letzten Augenblick, weil sich eine Mutti dagegen entschied. Mein Glück! Ich hätte es nicht geschafft, dass Krankenhaus ohne sie zu verlassen.

Wärmebettchen
Wärmebettchen

Kind 1 schenkte uns nun auch sein Engelslächeln. Von nun an bekamen wir es sehr häufig zu sehen. Bei Kind 2 wurde die Luftzufuhr reduziert. Nun war es viel leiser beim kuscheln. Ganz ungewohnt.

Am nächsten Tag wurden die zwei wieder gewogen, Kind 1 hatte sein Geburtsgewicht wieder erreicht, bei Kind 2 fehlten nur noch 100g. Zudem kam die Nasenbrille bei Kind 1 ab. Er konnte nun ganz ohne Unterstützung allein atmen. Seine Werte in Bezug auf die Gelbsucht waren wieder im Normbereich. Der Papa war jetzt das erste Mal mit wickeln dran. Er bekam das gut hin. Am Nachmittag bekam auch Kind 2 die Nasenbrille ab und er trank das erste Mal aus einer Flasche.

Dadurch, dass die Beatmung weg war, durfte nun auch am Wickeltisch gewickelt werden. Und sie konnten endlich wieder zusammen liegen. Hatten sie sich doch so sehr vermisst.

endlich wieder zusammen
endlich wieder zusammen

Die U2 wurde gemacht. Wir bekamen die erste Prognose für eine Entlassung nach Hause. Wenn die Nacht gut mit dem Atmen klappte müssen sie nur noch eigenständig trinken, dann könnte es ab 36+0 nach Hause gehen. Welch eine Aussicht. Mir wurde immer der geplante Kaiserschnitt, also 37+4 anvisiert. Aber ich wollte mich auch nicht zu früh freuen.

Unsere zweite Woche dann im nächsten Teil.

Wie habt ihr die Zeit auf der Frühchenstation erlebt? Ich bin auf eure Erfahrungen gespannt.

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