Unsere Zeit auf der Neonatologie – Woche 2

Neo - Woche 2

Wie unsere erste Woche auf der Neo gelaufen ist, dass könnt ihr hier nachlesen.

Heute waren die Twins eine Woche alt. Und endlich bekam ich das ok, die Kinder allein aus ihrem Bettchen rauszunehmen. Es war mit den Wärmebettchen und ohne Beatmung auch ganz leicht, es musste nicht jedes Mal alles ab- und wieder angestöpselt werden. Heute machten wir auch den ersten Stillversuch. Die Details dazu könnt ihr hier nachlesen. Mein Highlight des Tages war jedoch, dass ich Kind 2 baden durfte. Ich musste vorsichtig mit der Magensonde sein. Aber war das verrückt. Ich badete mein Baby.

Meine Freundin bekam ihre Mädels bei 34+1 und da lief es deutlich besser. Kein Inkubator, keine Atemhilfen und sie tranken allein. Wir hatten bis hierher denselben Weg zurück gelegt. Für mich war das schwierig. Vielleicht hört sich das auch gemein an, so ist es aber garnicht gemeint. Ich fühlte mich einfach ganz allein. Niemand, der meine Sorgen mit mir teilte, weil er dasselbe erlebte.

Am nächsten Tag waren Abschlussprüfungen der Schwestern, Kind 1 war ein Prüfungskind und wurde dort gebadet. Heute durfte ich sie auch das erste Mal gemeinsam halten. Die Physiotherapeutin war so lieb und legte sie mir in den Arm. Nach über einer Woche, hatte ich beide Babys auf dem Arm.

Juni - das erste Mal beide auf dem Arm

Da die Beatmung weg war, durften nun auch die Geschwister kommen. Meine Schwester war die erste von den Dreien. Sie wollte gleich ein Kind auf den Arm nehmen. Das erlaubte ich im Krankenhaus jedoch Niemandem. Warum? Es hatten soviel Schwestern die Kinder auf dem Arm. Sie mussten uns ja erstmal kennen lernen und wissen, dass wir etwas besonderes sind. Kuscheln sollten daher nur Mama und Papa. Aber ich konnte das erste Foto an Freunde und Familie verschicken. Die Magensonden sah man nicht.

Heute kamen wir auch runter vom Intensivbereich auf die Normalüberwachung. Jetzt hatten wir ein Einzelzimmer mit deutlich mehr Ruhe.

Der nächste Tag, die nächste Schwester. Beide Kinder tranken mittlerweile eine halbe Flasche. In unserem Peppelzimmer waren wir deutlich mehr auf uns gestellt. Bisher wurde uns die Milch gebracht, jetzt mussten wir uns selbst darum kümmern. Es war die Vorbereitung auf die Zeit zu Hause. Bisher wuselte ja doch immer eine Krankenschwester um einen herum.

Ich war wie immer von morgens um sieben Uhr bis abends um 20:30 Uhr bei ihnen, nur die Nächte blieben sie ohne mich. Doch heute war es schwerer für mich sie allein zu lassen. Ich hatte meinen Heultag. Irgendwann trifft es wohl jede. Doch warum? Ich hatte Sorge, dass die Kinder nie allein trinken werden. Dieses abfüllen nach der Uhr fühlte sich falsch an. Ich hatte Angst, sie würden nie Hunger empfinden und die Magensonde würde sie lange begleiten.

Am nächsten Morgen war ich wieder auf dem Damm und was soll ich sagen, Kind 1 schaffte die erste ganze Flasche! Und dann jede weitere. All meine Sorgen vom Vorabend waren unnötig. Meine Mutter kam nochmal und war auch bei der Physio dabei. Für sie war es ganz schlimm, denn die Jungs weinten sehr dabei.

Der nächste Tag, Kind 1 schaffte weiterhin alle Flaschen und Kind 2 nun auch. Meine Schwiegermutter kam erneut vorbei. Die Jungs kamen nun aus ihrem Wärmebett in ein normales Bett. Jetzt musste ich wieder klingeln, wenn ich die Kinder halten oder füttern wollte. Aber was soll man sich ärgern, denn es gab Grund zur Freude. Kind 1 bekam die Sonde gezogen. Bei der Physio wurde uns schon mal die Lagerung für daheim erklärt. Was war daran so besonders? In der Klinik wurde bisher mit Lagerungskissen gearbeitet, genauso wie mit Gewichtssäckchen. Nun zeigten sie uns, wie wir das ganze zu Hause mit Handtüchern umsetzen konnten.

Seitliche Lagerung

Heute hatte Kind 1 Herzalarm, was für ein Schreck. Nur weil er sich bewegte, die Kleber hielten wohl nicht. Aber das war ein ganz schlimmes Gefühl. Die Nulllinie zu sehen. Bisher hatten wir nur kleine Alarme. Etwas zu niedriger Sauerstoff, oder die Herzfrequenz zu niedrig. Da legte man die Hand aufs Kind und gut war.

Am nächsten Tag bekam Kind 2 die Sonde gezogen. Zu Hause wir kommen. Jetzt konnte es nicht mehr lange dauern. Der Papa wurde heute beim Wickeln das erste Mal angepullert. Und zwar nacheinander von beiden. Ich habe mal wieder herzlich gelacht.

Am Folgetag kamen die Atemüberwachungen ab und die Jungs hatten einen riesen Kohldampf. Sie hatten bereits einen Rhythmus von vier Stunden, doch schafften sie es heute kaum über drei. Meine Eltern schauten noch mal vorbei und auch Schwester Nummer drei sah nun endlich ihre Neffen.

Und wie der Papa schon seit Tagen sagte, wir wurden am Montag entlassen. Pünktlich zu seinem Urlaubsbeginn konnte er uns abholen. Denn der Hörtest war in Ordnung und so konnte das Leben als Familie starten.

Auch wenn unsere Zeit auf der Neo sicher nicht mit den Erfahrungen anderer Frühchen Eltern (z.B. Geburt vor 34+0) vergleichbar ist, so war es doch für uns sehr prägend. Aber es ist für Zwillingsgeburten durchaus ein realistischer Ablauf.

Eine Hebamme schrieb mal, das die Geburt einen großen Einfluss darauf hat, wie man als Mutter sein wird. Und ich glaube da ist einiges dran. Unsere Zeit auf der Neo hat mich zu einer eher klammernden Mutter gemacht. Aber dazu an anderer Stelle mal mehr.

Wie sind eure Erfahrungen?

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