Gastbeitrag von Kerstin – von der Frühgeburt zur Einleitung

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Hallo ihr Lieben,

mein Name ist Kerstin, ich bin 31 Jahre alt, von Beruf Gesundheits- und Krankenpflegerin die nebenbei Pflegepädagogik studiert (nächstes Jahr hoffentlich ihren Abschluss macht) und vor 4 Monaten Mama von den bezaubernden Zwillingen Marie und Emilia geworden.

Die liebe Jess war auf der Suche nach Gastautoren für ihren Blog und nachdem ich bei Insta gelesen habe, dass sie zum Thema Einleitung eine Autorin sucht, dachte ich mir ich erzähle euch meine Geschichte über die Geburt meiner Zwillinge.

Lange hab ich mir Gedanken gemacht, wo ich überhaupt anfangen soll über die Geburt zu erzählen. Schnell war mir klar, dass ich nicht einfach mit dem Tag beginnen kann an dem ich zur Einleitung ins Krankenhaus bin. Ich denke eine kleine Vorgeschichte zum Verlauf meiner Schwangerschaft ist deshalb nicht schlecht.

Vor fast genau einem Jahr hab ich einen Schwangerschaftstest gemacht weil ich so ein komisches Gefühl hatte. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht und der Test zeigte an, dass ich schwanger bin. Drei Teste später wurde mir dann klar, dass sich an dieser Anzeige nichts mehr ändern würde.

Einige Wochen später hatte ich dann einen Termin bei meiner Frauenärztin und hatte ein erstes Bild meiner kleinen Blase in der Hand. (zu diesem Zeitpunkt war deutlich nur EINE zu sehen) Zwei Wochen später hatte ich dann den nächsten Termin und die Frauenärztin begann mit dem Ultraschall und schon beim Ansetzen des Gerätes kam es mir komisch vor, da erst eine Blase zu sehen war, sie dann aber auf eine andere schallte. „Hier sehen sie den Herzschlag sieht gut aus!“ fährt mit dem Schallkopf auf die rechte Seite meines Bauches und sagt „und hier ist ihr zweites Kind! Herzlichen Glückwunsch, sie bekommen Zwillinge!“ WUMS da lag ich da und hab erstmal nur gesagt „können sie schauen ob da noch ein Drittes ist?“ ich stand unter Schock. (nicht negativ aber man bekommt nicht jeden Tag gesagt, dass man Zwillinge bekommt)

Ultraschallbild Quelle:Privat
Ultraschallbild Quelle:Privat

Und somit wurde aus einer ungeplanten Schwangerschaft der Jackpot meines Lebens! Nach diesem Arztbesuch rief ich meinen Mann in der Arbeit an, um ihm die freudige Nachricht zu überbringen. (Er war danach nicht mehr fähig zu arbeiten)

Viele Wochen später war ich dann mit den Mädels in der 32. SSW angekommen. Sie lagen beide optimal für eine spontane Geburt. Meine Ärztin betonte ständig, „naja das nächste Etappen Ziel ist dann die 34. SSW, dann müssen wir keine Lungenreife mehr spritzen. Aber machen Sie sich keine große Hoffnung, es kann jederzeit losgehen! Gut liegen tun sie aber dennoch für eine spontane Geburt“ und so zitterte ich von einer zur nächsten Woche und kam dann letztendlich am 25.03.2018 in SSW 38 an. (soviel zum Thema „Zwillinge werden immer Frühchen“ oder wie eine Freundin von mir sagte „Sei froh mit Zwillingen bist du nicht so lang schwanger!“) Dumme Kommentare hab ich in meiner Schwangerschaft viele gehört.

Am 20.03. hatte ich noch einen Termin bei meiner Frauenärztin, die sich dann in den Urlaub verabschiedete und mich in einer Ungewissheit zurück lies. „Wenn sich bis Sonntag nix tut, dann stellen sie sich nochmal im Krankenhaus vor, da ich mich nächste Woche im Urlaub befinde. Die sollen dann einleiten. Einen neuen Termin müssen Sie auch nicht ausmachen, weil Sie sicherlich nach meinem Urlaub nicht mehr schwanger sein werden.“ Also watschelte ich wieder nach Hause um mich erstmal tierisch über diese Frau aufzuregen (das kann ich sehr gut). Danach rief ich meine Mutter an. Sie erdet mich immer wieder wenn ich mich tierisch aufblase und irgendwo in der Luft schwebe. Dann hab ich einen Termin in der Geburtsklinik ausgemacht und sollte dort am 27.03. nochmal zur Vorstellung kommen.

Nachdem mein Mann sich an diesem Tag leider nicht frei nehmen konnte, begleitete mich meine Mutter zu diesem Termin. Nach kurzer Zeit im Wartezimmer rief uns dann der Oberarzt in sein Zimmer und untersuchte zunächst die Mädels um mir dann mitzuteilen, dass er mir zu einer Einleitung raten würde, da er schon sieht dass ich am Ende meiner Kräfte bin und auch nichts vom Entwicklungsstand der Mädchen dagegen spricht. Er war so nett und einfühlsam und erklärte uns dann das weitere Vorgehen.

Also meldete ich mich am Mittwoch um 9:30 Uhr am Kreißsaal. Eine freundliche Hebamme nahm mich auf und legte mir einen venösen Zugang, schloss mich dann ans CTG an.

CTG Quelle:Privat
CTG Quelle:Privat

Bei mir wurde die Einleitung mit dem Medikament Misoprostol (Cytotec®) gewählt. Das läuft folgendermaßen ab: 15 Minuten CTG schreiben – Tablette nehmen – weitere 45 Minuten CTG schreiben – warten dass sich in den 4 Stunden bis zur nächsten Gabe etwas tut.

Der Mittwoch dauerte gefühlt doppelt so lang wie jeder andere Tag. Und es tat sich einfach gar nichts. Meinen Mann hab ich dann zur dritten Gabe am Abend heim geschickt, weil ich mir sicher war, dass sich nichts mehr tun würde. Um 17 Uhr bekam ich die letzte Tablette an diesem Tag. Um 17:45 Uhr watschelte ich zurück in mein Zimmer auf Station, aß noch zu Abend und telefonierte mit meinem Mann. Ich spürte immer wieder einen leichten Druck nach unten aber hatte nicht das Gefühl, dass sich irgendwas tun würde.

Nächster Tag. Morgens um 9 Uhr hatte ich den nächsten Termin im Kreißsaal um die 4. Tablette zu erhalten. Gegen 13 Uhr hatte ich den Termin für die 5. Tablette. Eine Hebamme schickte mich in den Kreißsaal Nr. 4 und mich traf fast der Schlag. Eigentlich interessiere ich mich ja nicht für Fußball, aber das war sogar mir zu viel und mein Mann hätte es nie zugelassen, dass unsere Mädels in diesem Raum geboren werden :D (siehe Foto) Der Raum war komplett im 1.FCN-Style (Da ich in einem Krankenhaus in Nürnberg war hätte es mich nicht wundern sollen, aber damit hatte ich nicht gerechnet).

Kreißsaal Quelle:Privat
Kreißsaal Quelle:Privat

Damit ich nicht alleine Treppen steigen muss, kam meine Mutter und blieb bis abends, bis mein Mann von der Arbeit kam. (ja bis dahin tat sich noch immer nichts) Gemeinsam schlenderten wir dann um 17 Uhr wieder in den Kreißsaal, wo uns eine nette Hebamme in Empfang nahm und uns in ein freies Zimmer führte. Ich war schon sehr ungeduldig und dementsprechend schlecht gelaunt weil ich mir sicher war, dass der Donnerstag wieder vorbei geht, ohne dass sich was tut.

Die Hebamme bat mir an mich in einen bequemen Sessel zu setzen statt mich auf die Liege zu legen. Dann schnallte sie mir das CTG um und schaltete das Gerät ein. Es war schön den Herzschlägen der Mädels zuzuhören. 15 Minuten später kam die Hebamme wieder mit meiner Tablette. Dann machte ich es mir bequem und stellte mich auf weitere 45 ereignislose Minuten ein. Fragte meinen Mann, wie es in der Arbeit war und wie es unserem Hund geht. Nach 10 Minuten alarmierte das CTG und die Hebamme kam um den Alarm auszuschalten. Ein Blick von ihr auf die Kurve, dann verschwand sie wieder. Nach 5 Minuten kam sie erneut ins Zimmer und kontrollierte die Kurve erneut und ging wieder. Mein Mann und ich sahen uns schon etwas skeptisch an. Weitere 5 Minuten später kam sie erneut und kontrollierte die Kurve noch einmal. Dann fragte ich sie ob alles ok wäre. Sie erklärte mir, dass auf dem CTG zu sehen ist, dass möglicherweise etwas nicht in Ordnung mit einer meiner Töchter ist und dass sie eine Ärztin hinzuziehen möchte, nur zur Sicherheit. Innerhalb von ein paar Sekunden stand eine Ärztin im Zimmer und teilte mir mit, dass eine meiner Töchter einen DIP/TIP2 hat (?! Hab bis heute nicht herausgefunden, wie genau das geschrieben wird) und deshalb abfallende Herztöne zu sehen sind. Und da es sich um den zweiten Zwilling, Emilia, (also der der als zweites geboren werden sollte) handelt, können sie nicht per Ultraschall o.ä. nachschauen was da los ist. „Wir werden die Mädels jetzt holen!“ War dann die Aussage der Ärztin und ich fragte sie nur „Ist das eine Option oder steht das jetzt fest?!“ Mein Mann und ich standen unter Schock.

Also war ich innerhalb von Minuten ausgezogen und in ein schickes Flügelhemd gesteckt worden. Um 19:21 Uhr und 19:22 Uhr erblickten dann Marie und Emilia das Licht der Welt. Jedoch war es dann Marie, die nicht atmete und Emilia, wegen der der Kaiserschnitt durchgeführt wurde, war putz munter. Marie erholte sich jedoch dank einer CPAP (Das ist eine Atemmaske die mit Unterdruck einen Atemreflex „erzwingt“) sehr schnell und ich durfte nachdem ich versorgt war beide mit auf mein Zimmer nehmen.

Quelle:Privat
Quelle:Privat

Für uns war dieser Tag der schlimmste und zugleich schönste überhaupt. Wir konnten die Zwerge endlich in unsere Arme nehmen und das Wichtigste: Sie sind gesund!

 

Liebe Kerstin,
vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht.
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