Interview mit Zwillingsmama Nina

Gastbeiträge auf www.daslebenmittwins.com
Heute zu Gast: Zwillingsmama Nina. Wir kennen uns über Instagram, dort habe ich Ninas Weg als Fläschchenmama vom abpumpen zum abstillen verfolgt. In unserem Interview erzählt sie uns davon.

Du hast die Flasche gegeben, statt zu stillen. Wie kam es dazu?

Im Krankenhaus hatten wir leider alle drei keinen reibungslosen Start. Die beiden Jungs kamen 4 1/2 Wochen zu früh auf die Welt und mussten erst einmal auf die Neo-Intensiv. Ich selbst war auch sehr mitgenommen, sodass ich 10 Tage im Krankenhausbett lag und nur mit Hilfe zu meinen Zwillingen konnte.
Nach der Geburt lies man mir meiner Gesundheit zuliebe erst einmal 2 Tage Zeit, bis ich mit dem Abpumpen begonnen habe. Der Milcheinschuss kam sehr langsam, als an Tag 6 endlich Milch floss waren die Mengen überschaubar (vor allem für zwei Mäulchen). An Stillen war im Krankenhaus kaum zu denken. Die Jungs waren so müde, dass sie nach jedem Stillversuch wieder einschliefen. Die Nahrung wurde nachsondiert. Der Kinderarzt sagte ganz deutlich – Ziel für die Entlassung sind zwei trinkende Kinder, nicht zwei gestillte Kinder. Und da wir vor allem erst einmal Heim wollten und ich selbst weiter so erschöpft war, haben wir jeden Zwilling nur einmal am Tag angelegt. Nach dem Rückwiegen jedes Mal die niederschmetternde Wahrheit: 5-10 Gramm Nahrung aus der Brust. Insgesamt war Stillen nach den 2 Wochen eher frustrierend und kräftezehrend. Und so gab es die Flasche.
Zuhause wollte ich es in aller Ruhe versuchen, aber diese Angst, die beiden werden an der Brust nicht satt und schlafen anschließend ein war einfach zu groß. Diese Furcht hat mich so blockiert, dass ich eine richtige Abneigung gegen das Stillen entwickelte und mich sehr unwohl fühlte. Und so gab ich auf.
Gleichzeitiges Fläschchen geben Quelle:Privat
Gleichzeitiges Fläschchen geben Quelle:Privat

Wie geht es dir damit, dass du ihnen die Flasche gibst?

Wie ich es schon formulierte oben – es war ein aufgeben. Für mich erst mal das Gefühl versagt zu haben, wo Stillen doch eigentlich das natürlichste der Welt sein sollte für Mama und Kind. Zudem ist es die Frage schlechthin: „Stillst du?“. Das scheint jeden brennend zu interessieren und es kennt doch irgendwie jeder jemanden der jemanden kennt, der Zwillinge hat, die voll gestillt werden. Und jedes Mal wurde dieses Gefühl zu versagen noch weiter verstärkt. Was mir dabei sehr half war das Gespräch mit ein paar lieben Zwillingsmamas aus meiner Stadt, die ich im Laufe der Schwangerschaft schon kennen gelernt habe. Keine davon konnte aus verschiedenen Gründen stillen und alle bestärkten mich darin, dass es nicht meine „Schuld“ ist. Und so lernte ich die Frage nach dem Stillen abzuweisen, statt zu beantworten und es wurde für mich erträglich.

Welche Milch bekommen deine Zwillinge? Muttermilch oder Pre?

Zu Beginn habe ich es geschafft, sie voll mit Muttermilch zu ernähren. Wir wurden mit 6 Mahlzeiten a 70ml entlassen. Das schaffte ich mit dem Abpumpen gut. Aber die beiden wurden schnell größer, kräftiger und auch durstiger. Ich habe es noch geschafft zuhause die Milchmenge etwas zu steigern pro Mahlzeit, als sie dann jedoch häufiger als 6 Mahlzeiten verlangten musste ich resignieren. Trotz Power-Pumpen war meine Grenze erreicht. Die fehlenden Mahlzeiten durch Pre zu ersetzen war noch einmal ein schwerer Schritt. Hatte ich doch nicht einmal 2 Wochen nach meinem Aufgeben beim Thema Stillen schon wieder eine Grenze erreicht. Aber so waren wir bei etwa 4 Mahlzeiten mit Muttermilch und 3-4 Flaschen Pre (Tendenz steigend, da die Milch durch Schlafmangel, nicht ausgewogener Ernährung und zu wenig Flüssigkeitszufuhr deutlich abnimmt und der Durst der Jungs täglich mehr wird) bis ich nun ganz abstillte.

Wie sieht deine Routine mit den Fläschchen aus?

Böse Zungen behautpen ja, dass Flaschenkinder was für die bequemen Mamas sei – ja, sowas durfte ich mir teilweise anhören. Der Aufwand mit Flaschen wird jedoch glaube ich sehr unterschätzt.
Wir haben uns für jeden Zwilling 8 Flaschen angeschafft. Mein Tag mit Flaschen sieht in etwa so aus:
Am Morgen habe ich 6-8 vorgesprülte Flaschen aus der Nacht, welche ich noch einmal in warmem Wasser aufweiche und anschließend in den Vaporisator stelle. Zu den Baby-Flaschen kommt im übrigen immer noch die selbe Menge an Flaschen von der Milchpumpe, sodass ich 2 Ladungen für den Vaporisator habe. Währenddessen koche ich frisches Wasser. Diese Morgenroutine dauert vom Flaschen auseinanderbauen und Spülen bis zum Verräumen 30-40 Minuten. Im Verlauf des Tages richte ich mir meine Flaschen nach Bedarf direkt in der Küche, entweder mit Pre oder Muttermilch. Nach dem Füttern und Wickeln spüle ich die verbrauchten Flaschen grob aus und stelle sie direkt zum Sammeln in den Vaporisator. Anschließend pumpe ich meine Milch ab, die im Kühlschrank gesammelt wird bis ich zwei Portionen zusammen habe. Am Abend bevor es ins Bett geht schmeiße ich den Vaporisator an, währenddessen richte ich mir eine kleine Kiste mit 6 Baby-Flaschen, Pulver, Wasser und dem frisch sterilisierten Abpumpset sowie 6 Flaschen dafür. Insgesamt benötige ich für die Reinigung und das Richten der Flaschen gute 1 1/2 bis 2 Stunden täglich. Dazu kommen 6 Mal 20 Minuten für das Abpumpen.
Flaschen über Flaschen Quelle:Privat
Flaschen über Flaschen Quelle:Privat

Du hast also noch sechs mal am Tag abgepumpt, wie kann ich mir das vorstellen?

Genau. Ich habe von meiner Frauenärztin eine elektrische Doppelpumpe verschrieben bekommen. Aufgrund der “Geminigrsvidität mit Trinkschwäche“ wie es auf dem Rezept immer steht, bekomme ich die Pumpe immer für 4 Wochen verordnet. Das Rezept gebe ich ganz unkompliziert in der Apotheke ab.
Bei der ersten Verordnung musste ich eine Kaution hinterlegen und habe zusätzlich ein doppeltes Abpumpset bekommen.
Welche Pumpe man wählt ist übrigens jedem selbst überlassen, sodass ich gezielt nach der Medela Pumpe gefragt habe. Dafür ist das Zubehör günstig nachkaufbar, auch ein zweites Pumpset kann man selbst kaufen falls man die Pumpe nur als Einzelpumpe bekommt.
Tagsüber ist es meist so, dass ich die Jungs füttere und wickele, sodass sie einigermaßen zufrieden sind. Anschließend setze ich mich ins Bad an meine Pumpe. Ich versuche dabei einen 4 Stunden-Rhythmus halten zu können, dass die Milchmenge gehalten wird. Ich brauche rund 25 Minuten pro Abpumpen, da man das Set anschließend gründlich spülen muss.
Als mein Mann noch zuhause war ging das gut. Die Milch hat dabei auch für beide ausgereicht und er hat den Haushalt gemacht. Nun darf man gerne einmal nachrechnen wie viel Zeit ich am Tag an der Pumpe verbringe. In dieser Zeit sitze ich nur da. Morgens und abends kann ich die Zeit zum Zähneputzen nutzen oder am Handy spielen. Weinen aber im Hintergrund die Jungs wegen Bauchweh oder denkt man an das Chaos um einen herum, hat Hunger oder sonstigen Zeitdruck, dann empfinde ich diese Zeit an der Pumpe oft als „gestohlene Zeit“. Nur weil die Milch dann da ist, ist sie ja noch nicht verfüttert. Und auch sonst nichts erledigt. Mittlerweile reicht die Milch auch für beide nicht mehr. Ich sammele also solange über den Tag, bis es ganz sicher für eine Portion reicht. Pre-Milch auf Muttermilch vertragen beide nicht, sodass ich nicht einfach nachfüttern kann.
Die Milchmenge lässt sich mit der Pumpe nicht oder nur kaum erhöhen. Die beinahe 3 Stunden täglich fehlen dann doch und essen, trinken und schlaf bleiben dann gern schnell auf der Strecke.
Ich habe mir das Ziel gesetzt 3 Monate durchzuhalten. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob ich es schaffe.
Wenn ich es nicht schaffe, dann werden die beiden genauso toll mit Liebe und Pre-Milch groß, wie mit Muttermilch.

Die Pumpe Quelle:Privat
Die Pumpe Quelle:Privat

Was sind deine Must Haves als „Fläschchenmama“?

Vor allem mit Zwillingen darf es auch mal so schnell wie möglich gehen. Schon in der ersten Woche daheim haben wir eine große Bestellung an Flaschen-Ausstattung angeschafft, welche über die Wochen vervollständigt wurde. Dazu gehören ein möglichst großer Vaporisator, eine Flaschenbürste und ein Spüllappen nur für Babyflaschen. Außerdem genügend Flaschen, bei uns hat es sich bewährt so viele Flaschen zu haben pro Kind wie wir auch Mahlzeiten verfüttern.
Aufgrund von Koliken haben wir uns eine bestimmte Flasche angeschafft. Diese besteht jedoch leider aus 5 Teilen. Das Prinzip ist super, zum Spülen jedoch furchtbar. Die Wahl der Flasche würde ich zukünftig überdenken, wenn ich neue benötige. Als praktisch haben sich außerdem ein Thermometer und zwei Flaschenständer erwiesen. Einen Flaschenwärmer haben wir für die Muttermilch auch, jedoch nur für eine einzelne Flasche. Das reicht für uns vollkommen. Eine große, gute Thermoskanne ist super, wenn man viel Pre füttert. Zeitweise hatten wir sogar einen Wasserkocher mit Temperaturanzeige, den wir aber wegen mangelnder Qualität zurück geschickt und bisher nicht ersetzt haben.

Welchen Rat würdest du Mamas geben, die vor der Entscheidung stehen, Flasche ja oder nein?

Letztendlich finde ich, dass jede Mama ihre Gründe hat diese Entscheidung zu treffen und nur ihr alleine die Entscheidung auch zusteht. Ich als Zwillingsmama kann nach 6 Wochen Flasche sagen, dass es von großem Vorteil ist für uns. Nicht, weil es bequemer ist und man ein Kind auch mal abgeben kann, sondern weil so auch mal beide Babies die volle, alleinige Aufmerksamkeit bekommen beim Füttern (wenn zum Beispiel der Papa oder die Oma helfen), ohne dass dem anderen dabei etwas fehlt. Zu Beginn fand ich es außerdem gut, eine Kontrolle über die Trinkmenge zu haben.
Sowohl Stillen als auch Flasche haben Vor- und Nachteile. Ein Versuch zu Stillen sollte grundsätzlich immer gefördert und unterstützt werden. Manchmal scheitert das erfolgreiche Stillen an Kleinigkeiten. Sollte sich eine Mama jedoch dagegen entscheiden sollte dies von allen diskussionslos respektiert werden. Allerdings sollte man sich nie für die Flasche entscheiden mit der Absicht, dass man es damit bequemer hat. Das ist es mit Sicherheit nämlich nicht :)

Du hast abgestillt, wie hast du es gemacht?

Der Plan war, dass ich natürlich abstillen will. Meine Hebamme hatte hierfür eine ganze Reihe Tips. Vom Abbinden der Brüste über diverse Tees bis hin zum beinahe permanenten Kühlen war alles dabei und wurde alles getestet. Nur war das aber nicht ganz so einfach. Abstillen wollte ich, da meine Milch nur knapp für einen gereicht hat. Mal Pre, mal Muttermilch im Wechsel haben sie nicht vertragen, sodass ich eigentlich entscheiden musste, wem ich die von allen gepriesene, bessere und wertvollere Muttermilch zukommen lasse. Und das wollte und konnte ich nicht. Ich wollte nicht mehr abpumpen. Aber aufhören wollte ich auch nicht. Eigentlich wollte ich doch mehr Milch, meine körperlichen Grenzen waren mit der Pumpe aber einfach erreicht.

Ich versuchte also natürlich abzustillen. Ich sollte nur so viel abpumpen, dass der Druck nachlässt. Weil ich aber nicht 100% dahinter stand pumpte ich immer wieder doch ganz ab und brachte den Milchfluss immer wieder neu in Schwung. Ich bekam häufiger Milchstau und zum Ende hin sogar eine richtige Entzündung mit Fieber und allem drum und dran.
Und so entschloss ich mich, mir die Tabletten verschreiben zu lassen. Ich würde es keinem weiter empfehlen! Aufgrund der starken Nebenwirkungen habe ich die Medikamente nach 5 statt nach 21 Tagen abgesetzt. Aber ich bin an mein Ziel gekommen. Die Milch blieb weg und nun da es vorbei ist, bin ich auch einigermaßen mit mir im Reinen was das Abstillen angeht

Liebe Nina, ich danke dir für dieses Interview. Wenn ihr Nina weiter begleiten wollt, dann schaut gern auf ihrem Instagram Profil vorbei.