Gastbeitrag von Farah – 1, 2, 3, windelfrei! Wie dein Kind im Sommer trocken wird

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“Mama. Ich will keine Windel mehr. Ich will die Toilette benutzen.”

Wie sehr wartest du auf diesen Satz deines Kindes? Vor allem: Wie lange willst du darauf warten?

Persönlich bin ich der Ansicht, dass ein dreijähriges Kind einfach zu groß und zu schwer für einen Wickeltisch ist. Du darfst gerne anderer Meinung sein. Und du darfst auch warten, bis dein Kind im geflogenen Deutsch dir diese zwei Sätze mitteilt.

Wenn du allerdings mit der Windel und dem Wickeln deines Kleinkindes haderst, lade ich dich ein, die “Goodbye Windel”-Geschichte meiner Tochter zu lesen.

Als sie 20 Monate alt war, haben wir im Sommer die Windel weg gelassen. Das war der Start in unser Projekt Trocken werden.

In diesem Artikel erfährst du:

  • Warum und wie ich zu der Überzeugung kam, dass auch unter Zweijährige ohne Windel leben können
  • Welche Pleiten, Pannen und Highlights wir schon in den ersten 12 Tagen windelfrei feierten
  • Meine besten Tipps und Tricks, wenn auch du deinem Kind ein Leben ohne Windel ermöglichen willst

Neugierig? Da bist du nicht alleine. Das war ich damals genauso, als ich vor über einem Jahr, noch völlig grün hinter den Ohren, beschlossen habe die Windel zu verabschieden.

Nicht mal 2 und schon windelfrei? 

Meine Tochter ist mein erstes Kind. Vor ihr habe ich kein einziges Kind in meinem Leben gewickelt. Was ich über Windeln wusste, wurde mir Freihaus allabendlich im Pampers-Werbespot geliefert. Ja. So ein Grünschnabel war ich.

Nach der Geburt gingen mir mein Mann und die Hebammen zur Hand. Zuhause lernte ich zwar schnell, wie Windel und Baby zusammen gebaut werden. Aber so wirklich anfreunden konnte ich mich nie damit, mein Kind in seinen eigenen Ausscheidungen liegen und später herumlaufen zu lassen. Nur um es hinterher aufwändig mit Tüchern zu entfernen.

Hinzu kam, dass meine Tochter mit zwölf Monaten plötzlich und regelmäßig einen wunden Po hatte.

Die Kinderärztin meinte auf meine Nachfrage: “Das haben Kinder im Windelalter nun mal.” Damit wollte ich mich aber nicht zufrieden geben. Ich begann zu recherchieren.

Nun, was denkt ihr: Warum heißt es Windeldermatitis?

Diese Krankheit hat ihre Ursache in der luftdichten Windel. Darin reagieren Pipi und Kaka chemisch miteinander. Es entsteht Ammoniak, der die zarte Babyhaut angreift.

Ohne Windel kein wunder Popo. Klingt irgendwie logisch, oder? Zumindest war das für mich Motivation genug, um zu überlegen, ob und wie meine Tochter ohne Windel klar kommen kann.

Gut, es war damals Januar. Nicht gerade die optimale Zeit, um das Trocken werden in Angriff zu nehmen. Daher beschränkte ich mich erstmal auf den Recherche-Teil.

Das Worldwideweb und Google führten mich zum Blog windelwissen.de. Julia erzählt dort ausführlich, dass Kinder schon von Geburt an ohne Windel leben können.

Dass wir nicht warten müssen, bis unser Kind in perfekten Sätzen artikuliert ohne Windel leben zu wollen.

Dass wir unseren Kindern ab 18 Monaten mit liebevollem Töpfchentraining ein Leben ohne Windel ermöglichen können.

Das hat mich angefixt. Ich beschloss den Sommer für das Projekt “Tschüss Windel!” zu nutzen.

Windeldermatitis: Ammoniak an Babys Popo Quelle:greenfulspirit.com
Windeldermatitis: Ammoniak an Babys Popo Quelle:greenfulspirit.com

Liebevolles Töpfchentraining?

Wir starteten am 01.06.2017 direkt nach der Tagesmutter. Es war so heiß, dass jedes Kleidungsstück zu viel war. Daher durfte meine Tochter nackt durch die Wohnung sausen.

Das liebevolle Töpfchentraining hat die Grundidee, das Kind zu beobachten und im passenden Augenblick ein Auffanggefäß (also nicht zwangsweise ein Töpfchen) darunter zu halten.

Dadurch sieht das Kind, was da untenrum eigentlich passiert. Das war vorher mit der Windel aus den Augen und damit aus dem Sinn.

In rund 10 plus minus 2 Tagen kann das Kind dann spüren, wann es mal muss.

Da unsere Tagesmutter 12 Tage Urlaub hatte, dachte ich: “Super, das wird schon reichen.”

So viel zur Theorie.

Nun zu unserer Praxis.

Ich schaffte es 2 Tage lang ständig neben meiner Tochter zu sein. Wartend auf ihr nächstes Pipi. Aufgefangen habe ich insgesamt vielleicht 3,5 von gefühlten 20. Keine gute Bilanz.

Daher beschloss ich etwas gefrustet lieber zu wischen und zu waschen, wenn weder Kind noch Töpfchen während ihres Geschäfts in meiner Nähe waren.

Natürlich reichten die 12 Tage nicht, damit unsere Tochter trocken wurde. Aber sie wurde sauber.

"Mit 18 Monaten kannst du bereits liebevolles Töpfchentraining versuchen" Quelle:greenfulspirit.com
„Mit 18 Monaten kannst du bereits liebevolles Töpfchentraining versuchen“ Quelle:greenfulspirit.com

Keine Windel mehr mit großem Geschäft

Ja, tatsächlich ging das Sauber werden richtig schnell. Als sie das erste Mal spürte, dass sie ein großes Bedürfnis los werden muss, ist sie laut “Nein, nein, nein!” rufend durch die Wohnung gelaufen. Das war mehr als ein deutliches Zeichen.

Die folgenden Male hatte sie noch Angst, da sie dieses Gefühl vorher nie richtig wahrgenommen hatte, wenn der Darm drückt. Sie wollte nicht sitzen bleiben und brauchte noch Ablenkung. Ich hatte für die erste Zeit immer ihr Lieblingsbuch in der Nähe des Töpfchens liegen.

Da unser Kind in mehreren Intervallen (zwei bis drei Mal mindestens bis sie fertig ist) ihr großes Geschäft erledigt, und wir das zu Beginn noch nicht wussten, hatten wir auch einige Häufchen auf dem Laminat und den Fliesen zu entfernen. Aber nun gut: Es ist ja schnell mit Toilettenpapier entfernt und mit einem Lappen sauber gewischt.

Nach drei Wochen hatten sie und wir den Dreh komplett raus. Seitdem landete das große Geschäft immer schön im Töpfchen. Das war eine richtig große Erleichterung für meinen Mann und mich.

Denn keiner von uns wechselte gerne eine stinkende Windel.

Die Sache mit dem Pipi…

Da war aber noch die Sache mit dem Pipi.

Während des Mittagsschlafes und unterwegs war sie von Anfang an trocken. Kein einziger Unfall. Nur Zuhause ließ sie es gerne einfach überall, wo sie gerade saß oder stand, laufen.

Das frustrierte mich. Nach 6 Wochen wagten wir einen Zoobesuch ohne Windel mit sämtlichen Wechselhosen, die wir besaßen.

Gebraucht haben wir davon exakt Null. Erst Zuhause ging sie auf ihr Töpfchen, obwohl wir es für unterwegs mitgenommen hatten.

Das war für mich der Punkt, an dem ich wusste: Meine Tochter kann ihr Pipi kontrollieren.

Es wurde Zeit für einen Strategiewechsel. Von untenrum nackig zur Hosenpflicht.

Tja, die erste Konsequenz davon war: Unsere Waschmaschine war im Dauerbetrieb. Ich war semi-begeistert.

Doch siehe da…

Der lange Weg zum Trocken werden

Wir beobachteten, dass sie meistens dann Pipi musste, wenn auch mein Mann oder ich zur Toilette gingen.

Daher begannen wir Ende Juli 2017 damit, sie mit ins Bad zu ihrem Töpfchen zu nehmen, wenn auch wir Pipi mussten.

Die 5 bis 6 nassen Hosen am Tag reduzierten sich sofort auf 1 bis 2 Stück. Sogar einen Ausflug in einen Freizeitpark kurze Zeit danach meisterte sie fast komplett pannenfrei. Wir gingen dort in regelmäßigen Abständen gemeinsam zur Toilette.

Kurze Zeit später meldete sie sich auch regelmäßig Zuhause, wenn sie Kaka (ihr Anfangswort für Pipi und das große Geschäft) musste.

Es hat für meine Tochter rund 8 Wochen gedauert, um von der Windelträgerin zu einem windelfreien Kleinkind im Sommer zu werden.

Natürlich habe ich auch die weitere Zeit dokumentiert. Das darfst du gerne auf meinem Blog in der Windelfrei für Spätstarter-Reihe nachlesen.

Sommer: Die ideale Jahreszeit zum Trocken werden Quelle:greenfulspirit.com

Wenn auch du überlegst den Sommer zum Trocken werden zu nutzen

Meine Erfahrungen und die Geschichte meiner Tochter sind keine Blaupausen für andere Kinder. Jedes Kind ist ein Individuum. So sollten wir Eltern sie auch behandeln.

Doch ich möchte dir zeigen, dass es ein Irrglaube ist, dass Mama warten muss, bis das Kind von sich aus die Windel los werden will.

Kleinkinder (sogar Babys) sind durchaus in der Lage zu spüren, wann sie denn müssen. Wir Eltern müssen ihnen dafür aber auch die Zeit und den Raum geben, um dieses Gefühl (wieder) zu entdecken.

Ja, es kostet Nerven und du wirst dabei Geduld lernen.

Genauso wie laufen und sprechen, ist die Sache mit dem Trocken werden ein Lernprozess, der nicht von heute auf morgen perfekt funktioniert.

Verabschiede dich bitte von dieser Vorstellung. Auch wenn viele Eltern das gerne erzählen.

Dann könntest du auch diesen Bären glauben: “Mein Kind ist immer nur gelegen. Dann habe ich es auf seine Beine gestellt und es ist einfach los gelaufen.”

Das gilt genauso für die vielen “Mein Kind war von heute auf morgen trocken”-Geschichten.

In manchen Fällen trifft es vielleicht zu. Aber wie alt war das Kind dabei? Wie ich eingangs erwähnt habe, bin ich kein Fan davon Dreijährige auf einen Wickeltisch zu wuchten.

Wenn du also überlegst dein Kleinkind von der Windel zu befreien, ist der Sommer die perfekte Jahreszeit dafür.

Windel weg und deinem Kind die Zeit geben, um es zu lernen. Wertvolle Teppiche würde ich in der Anfangszeit definitiv in Sicherheit bringen.

Dann seid ihr auch schon startklar für euer Leben ohne Windel.

Hast du vielleicht ältere Kinder, die diese Phase schon hinter sich haben? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Oder stehst du genauso wie ich damals am Anfang und weißt nicht, wie du dieses Thema angehen sollst?

Lass mir doch gerne einen Kommentar da und teile den Post. Wenn du magst, darfst du mich auch gerne auf meinem Blog Greenful Spirit besuchen. Ich freue mich auf dich.

Farah

 

Liebe Farah,

vielen Dank für deinen informativen Artikel. Ich werde es auf jeden Fall ausprobieren!

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Wenn ihr Erfahrungen zu einem Thema teilen wollt, dann kommt gern auf mich zu! Ich freue mich über jeden Gastbeitrag.