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Die Zwillingsgeburt

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Meine Eltern holten mich bei 34+0 aus dem Krankenhaus ab. Der liebe Mann hatte sich mit seinen Kumpels auf eine Wandertour gemacht. 4 Tage wollte er weg sein. Meine Bedingung war, nicht weiter als zwei Stunden entfernt. Für den Fall der Fälle. Und meine Eltern würden mich „babysitten“.

Da ich bereits vor dem Krankenhaus nur noch auf dem Sofa schlief, behielt ich dies auch bei. Ich vermied die Treppe nach oben. Dort war jedoch das Bad. Das hieß, einmal am Tag musste ich hoch. Wenn ich oben war, konnte ich auch gleich nochmal ins Kinderzimmer. Dort erledigte ich mit meiner Mutter die letzten Dinge. Ich konnte in Ruhe den Wickeltisch einräumen, die Kleidung war gewaschen und konnte in den Schrank. Die Bettchen wurden bezogen. Die Tasche wurde dieses Mal vollständig gepackt. Ich war fertig. Mein Ziel war weiterhin: Frühestens 37+0!

Die Eltern im Haus zu haben war auch gar nicht so schlimm, meine Mutter kochte mir jeden Tag was ich mir wünschte. Der Hund war gut versorgt. In der ersten Nacht ging ich sogar selbst noch mal kurz mit ihm raus. Sehr dumm und leichtsinnig.

Der werdenden Papa konnte es dann doch nicht abwarten nach Hause zu kommen. Und war an Tag drei wieder zurück.

Wir verbrachten den Sonntag auf dem Sofa, alles ganz entspannt. Am Montag morgen bat ich ihn noch die Tasche nach unten zu stellen. Auf seinem Rückweg von der Arbeit telefonierten wir um 18:30 Uhr. Er wollte noch zu seiner Schwester fahren und die Einladung für unsere Hochzeitsfeier vorbei bringen. Ich lag weiterhin auf meinem Sofa, viele Serien kannte ich nun von Staffel 1 bis zum Ende.

Der Hund kam, legte wie gewohnt seinen Kopf auf meinem Bauch und dann wurde es nass. Meine Fruchtblase war gesprungen. Durchatmen. Den Mann anrufen. Es war 18:54 Uhr. Er war zum Glück noch unterwegs. Das führende Kind lag in Steißlage, daher rief ich den Krankenwagen. Da ich nicht wusste wer zuerst hier ist, stand ich auf, legte einen Keil in die Tür, sperrte den Hund weg und holte mir ein paar Handtücher.

Mein Mann war zuerst da, wenige Sekunden später der Krankenwagen. Und dann war er mir sehr peinlich. Er sagte: „Folgen Sie den nassen Fußstapfen.“ Als ob es nicht schon unangenehm genug war, wenn man 1,5 Liter Fruchtwasser im ganzen Haus verteilt.

Die Fahrt ins Krankenhaus war ereignislos. Mein Mann fuhr hinterher. Dort angekommen wurde ich untersucht. Sie wollten prüfen ob es wirklich Fruchtwasser war. Ja nee is klar, was sonst?! Beim Ultraschall sahen wir dann, wessen Fruchtblase geplatzt war. Die von Kind 1. Der tanzte mir schon eine Weile auf meinem Gebärmutterhals herum. Sie nahmen mir noch Blut ab und die Ärztin sagte mir, in 2 Stunden wären die Twins da. Das ging jetzt aber alles sehr schnell.

Ich kam ans CTG, alles in Ordnung. Als die Blutergebnisse vorlagen, wurde ich in den Kreißsaal umgesiedelt. Und plötzlich hatte ich Wehen. Aber Hallo. Das ging ja gleich richtig los. Ich schnaufte und erinnerte mich an meinen Geburtsvorbereitungskurs und die Atemübungen. Und es half. Ich zerquetschte zwar zwischendrin die Hand meines Mannes. Aber wir schafften das. Das CTG zeigte jedoch keine Wehen an. Verrückt. Die Schwester legte mir einen Blasenkatheter und ich bekam das schöne, rückenfreie Krankenhaushemd an.

Ich war von Beginn meiner Schwangerschaft an auf einen Kaiserschnitt eingestellt gewesen. Bei Zwillingen ja nicht unüblich. Da sich das führende Kind auch nicht drehte, blieb es dabei. Für mich völlig in Ordnung. Ich wollte eine Vollnarkose. Das war für mich Monatelang klar. Mein Mann wollte nicht mit in den Kreißsaal. Wir hatten unseren Weg. Doch dann kamen die Anästhesisten. Vollnarkose, bei Frühchen? Sie rieten davon ab, weil die Narkose auch auf die Kinder überginge und die wären sowieso etwas schwach.

Mein Mann bat um Bedenkzeit. Seine Worte an mich: „Lass uns das Risiko rausnehmen.“ Er hatte leicht reden. Sollte ich allein wach sein, während man mir den Bauch aufschnitt. Furchtbare Vorstellung. „Du hast Recht, du verzichtest auf die Vollnarkose und ich komme mit rein.“ Wow, er wollte das nie. Es war ihm wirklich wichtig. Ok. So machten wir es. Und dann ging es ganz schnell. Er musste sich umziehen und mir musste die Spinalnarkose gesetzt werden.

Ich hatte ein tolles Ärzteteam, ich kann mich an keiner Stelle beschweren. Ich kam in den OP, sie gingen toll mit mir um. Ich musste mich aufrecht hinsetzen, nach vorn überbeugen, was bei einem so großen Bauch gar nicht so einfach war. Sie setzten mir die Narkose und ich sollte mich hinlegen. Es dauerte wohl etwas länger als üblich, bis ich meine Füße nicht mehr spürte.

Nun durfte mein Mann wieder zu mir. Es wurde ein grünes Tuch gespannt und ich hatte nur noch meinen Mann im Blick. Er hielt meine Hand und tupfte mir ab und zu die Stirn. Um 22:58 Uhr war der erste kleine Mann auf der Welt. Wir hörten seinen Schrei und die Welt stand kurz still. Diesen Blick zwischen mir und meinem Mann werde ich nie vergessen. Das war etwas ganz besonderes. 23:00 Uhr war der zweite da. Sein Schrei ließ einen Moment auf sich warten. Und dann wurde mir übel. Ich bekam sofort etwas gespritzt. Und eine Infusion und es ging mir zügig besser. Mittlerweile wurde ich zugenäht, dass alles bekam ich gar nicht so mit. Die Ärzte waren ganz zufrieden mit ihrer Naht. Wie schön.

Von der Op selbst habe ich tatsächlich ganz wenig mitbekommen. Es ruckelte etwas und ich hatte das Gefühl, dass der Druck runter ging. Das war wohl der Moment, als die Organe nach unten rutschten. Es war zu keinem Moment unangenehm. Habt keine Furcht.

Nach dem ich vernäht war, wurde ich in ein Nebenzimmer geschoben. Mein Blutdruck wurde weiter überwacht. Ich bekam vorsorglich das erste Schmerzmittel. Aber die Twins, die hatte wir bisher noch nicht gesehen. Sie wurden nicht mal über das Tuch gehalten, dass wurde mir aber erst Wochen später bewusst.

Als die nächste Schwester kam, fragten wir nach den Twins. Ich sollte nach vier Stunden im Rollstuhl zur Frühchenstation gefahren werden, auf dem Weg in mein Zimmer. Mein Mann durfte schon mal rüber. Ich sollte noch Fotos des Krankenhauses von direkt nach der Geburt bekommen.

Mein Mann ging einmal auf die Neo und konnte die Twins sehen. Er machte zwei Fotos für mich. Man gut, denn die des Krankenhauses waren nicht so schön.

Wie war eure Geburt? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?