Startseite » Interview mit Zwillingsmama Jessica

Interview mit Zwillingsmama Jessica

Heute der erste Gastbeitrag auf meinem Blog. Die liebe Jessica kenne ich über Instagram. Als ich dort meinen Aufruf für Gastbeiträge machte, kam sie mit einer großen Themenvielfalt auf mich zu. Daher haben wir uns entschieden, dass ganze als Interview aufzubauen.

Alina, Mama, Papa, Liana (von links nach rechts) Quelle: Privat
Alina, Mama, Papa, Liana (von links nach rechts) Quelle: Privat

Wie sind deine Zwillinge auf die Welt gekommen? Möchtest du uns von ihrer Geburt erzählen?

Meine Kinder wurden in der 38. SSW mit einem geplanten Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Beide Kinder lagen in Beckenlage, so dass mir keine „Option“ gelassen wurde. Ich habe immer noch an der Situation zu knabbern. Ich habe es absolut schrecklich gefunden. Wir mussten bereits um 08.00 Uhr im Krankenhaus sein und dann passierte gaaaaaaanz lange nichts. 15.25 Uhr und 15.26 Uhr kamen die beiden dann letztlich zur Welt. Ich habe meine Kinder nicht gesehen, sie wurden aus mir raus gleich weggetragen und wenn mein Mann nicht drauf bestanden hätte dann hätte ich die beiden erst nach der ganzen Näherei zum ersten Mal erblickt. So wurden mir die beiden kurz unter die Nase gehalten und dann musste ich warten -.- Ich fand es schrecklich, ich wollte zu meinen Kindern aber konnte nicht. Ich habe mich ausgeliefert gefühlt und das die Ärzte noch Witze über mein zerschnittenes Tattoo gemacht haben hat dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Für mich war es keine schöne Geburt obwohl man durchaus auch einen Kaiserschnitt „schön“ gestalten kann.

Viele Mamis setzen sich nach der Geburt mit ihrem „After Baby Body“ unter Druck, wie stehst du dazu?

Ich finde das so schlimm. Diese Frauen haben ein Wunder vollbracht und ich bin erstaunt wie wichtig einem das „Aussehen“ seines Körpers kurz nach der Geburt sein kann. Ich war schon froh, wenn ich mal geduscht hatte in den ersten Wochen. Das Problem sind aber auch die „Bilder“ von Mamis in einschlägigen Magazinen. Man erwartet, dass Frau kurz nach der Geburt wieder aussieht wie Mitte 20! Ich war 10 Tage nach der Geburt auf einer Hochzeit und trotz Umstandskleid war mein „leerer“ aber immer noch großer Bauch zu sehen. Die Leute haben mich mehrfach darauf angesprochen: Na noch eins drin vergessen, huch der Bauch ist aber noch groß und die Krönung: (10 Tage alte Babys im Arm): NA kommt da schon der nächste Nachwuchs? NEIN, verdammt ich habe vor 10 Tagen Zwillinge zur Welt gebracht und hatte zum Ende 122 cm Bauchumfang und 80 Kilo auf 160cm Körpergröße! Ich bin der Meinung, dass dieser ganze Hype um den After Baby Body nur noch krank ist!

Du bist dann eine Flaschenmami geworden. Wie kam es dazu und wie ist es dir damit ergangen?

Ich konnte irgendwann nicht mehr. Ich war verunsichert. Ich wurde verunsichert. Es ist eine Kombo aus allen denke ich. Ich habe 6 Wochen voll gestillt, nur wollte die eine Brust nicht genug Milch produzieren, so dass ich dort immer weniger angelegt habe und so entwickelte sich ein Teufelskreis. Ich habe gepumpt und gepumpt aber es wollte einfach nicht. Und dann quatschen dir ja alle rein, na werden die denn satt? Ich glaube du musst zufüttern. Das wird doch nichts… etc. Dann musste mein Mann auch nach 2 Wochen wieder arbeiten und ich war alleine mit beiden zu Hause und ich habe es einfach irgendwann nicht mehr geschafft. Ich habe dann nach ca. 2,5 Monaten komplett auf Flasche umgestellt und man siehe da: Sie sind trotzdem groß geworden. Stillen ist Liebe; Flasche geben auch <3.

Ihr habt für euch den Weg der breifreien Beikost gewählt. Warum habt ihr euch für diesen Weg entschieden und wie lief das bei euch ab?

Meine Hebamme kam mit dem Thema an. Sie macht nur BLW und hat mir einiges an Infozeugs gegeben und mit mir gesprochen. Dann habe ich mich eingelesen und wir haben nach Erfüllung der Beikostreifeanzeichen einfach losgelegt. Ihr erstes Essen waren Brokolliröschen, die lassen sich echt super greifen. Mehrere Dinge haben mich zu dieser Entscheidung gebracht. Brei selber kochen? Wann denn das noch? Zwei Kinder füttern – Wann soll ich da essen? Gläschen kaufen – Igitt! Und so sind wir dann breifrei durch den Beikoststart. Anfangs war es echt eine Sauerei, daher kann ich jedem nur eine Wachstischdecke für den Boden und echt gute Nerven mit auf dem Weg geben. Und die Kids haben einfach alles mitgegessen und so essen sie inzwischen wirklich alles was wir auch essen. Mit ca. 12 Monaten haben die beiden angefangen mit Besteck zu essen und jetzt mit fast zwei sind sie super mit Messer, Gabel und Löffel. Sogar Spaghetti klappen.

Natürlich hatte ich zwischendurch so meine Befürchtungen und habe die Entscheidung verteufelt aber inzwischen bekomme ich das Breidrama bei Freunden von uns mit… Und ehrlich es ist nicht einfacher, als es bei uns war! Natürlich gibt es überall Hater und Menschen die einem sagen, dass Babys Brei brauchen aber ich antworte dann immer, wenn Brei für Babys unverzichtbar ist, wie konnten dann unsere Vorfahren jemals überleben?! Breigläschen, bzw. den Mixer gab es sicher nicht schon ewig.

Bedürfnisorientierte Erziehung ist in aller Munde. Ihr lebt danach, was heißt das für euch und euren Alltag?

Eigentlich heißt das für unseren Alltag nichts besonderes eben nur das wir unsere Kinder nicht im „klassischen“ Sinne erziehen. Ich achte darauf Ihre Gefühlwelten ernst zu nehmen und verharmlose keine abgebrochene Banane mit „stell dich jetzt nicht so an“. Angefangen hat das ganze Thema immer mehr Raum einzunehmen als die beiden Krabbeln konnten und es auf einmal „Neins“ in Ihrem Leben gab. Es ging mir tierisch auf den Sender immer und immer wieder Nein zu sagen und unsere Familie entwickelte sich in einen Nein Ort! Irgendwann war null Kooperationswille auf der Seite meiner Kinder vorhanden und sie haben angefangen das Essen und das Schlafen zu boykottieren. Auf einem Blog stieß ich das erste Mal auf das Thema BO und eine sehr interessante Aussage. Wenn Kinder nie das dürfen was sie wollen dann hören sie auf Dinge zu machen, wo sie Macht haben. Und mal ehrlich niemand kann ein Kind zum Essen oder Schlafen zwingen. Dieser Boykott zu Hause war also Ausdruck meiner ständigen „Neins“ und nicht des nicht ernstnehmen Ihrer Gefühlswelt. Ich habe aus dem Bauch heraus „erzogen“ und es steuerte auf eine Katastrophe zu. Also begann ich zu lesen und mich in Gruppen auszutauschen und innerhalb kürzester Zeit hatten wir wieder Kooperation von beiden Seiten – Kindern und Eltern. Es ist ein langer Weg aber ich denke es ist für uns der einzig richtige und mir bricht kein Zacken aus der Krone wenn ich meine Kinder in einem Wutanfall wegen einer zerbrochenen Banane begleite, anstatt ihre Wut abzutun. Ich zwinge meine Kinder auch NIE zu etwas und trotzdem haben sie immer frische Windeln an und wir brauchen morgens 20 Min. vom Wecken bis zum losgehen. Es ist alles ein geben und nehmen.

Du arbeitest Vollzeit, wie hast du die Kinderbetreuung organisiert und was sind die Herausforderungen?

Wir haben eine ganz tolle Krippe gefunden wo die beiden echt unfassbar gerne sind, trotzdem reichen die Betreuungszeiten nicht ganz für unsere Jobzeiten. Mein Mann hat seine Arbeitszeiten reduziert und wir haben noch tolle Unterstützung! Meine beste Freundin holt die Mädels auch einmal die Woche aus der Krippe. Diese Krippe ist echt ein absoluter Glücksgriff und ich kann beruhigt arbeiten gehen während die zwei dort sind. Zweimal die Woche arbeite ich von zu Hause aus, so dass mir der Arbeitsweg erspart bleibt und ich die beiden schon eher abholen kann. Die Herausforderung ist ganz ehrlich der lange Tag. Ich stehe um 05.00 Uhr auf, um fertig zu sein wenn ich die Mäuse wecke, dann los zur Krippe/Arbeit, Abholen, Essen, Spielen, ins Bett bringen und um 22.00 Uhr bin ich so fertig, dass ich einfach umfalle. Besonders schwierig finde ich die „schlechte“ Laune auf der Arbeit zu lassen und den Nachmittag mit meinen Kindern zu genießen und nicht an den einen Typen zu denken der mich heute genervt hat. Die weitere Herausforderung sind wieder andere Menschen, die sich ungefragt in unser Leben einmischen. Ich verurteile niemanden der zu Hause bleibt und möchte genauso nicht verurteilt werden. Ich liebe meine Kinder ja deswegen nicht weniger oder bin eine schlechte Mutter. Aber diese „Mama Wars“ gehen mir sowieso sehr auf den Nerv, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Liebe Jessica ich danke dir für dieses Interview und deine ausführlichen Antworten. Wenn ihr mehr über Jessica erfahren wollt, dann folgt ihr gern auf Instagram.