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Müde Mama – der ganz normale Alltag

In den letzten 13 Monaten bin ich hin und wieder an meine Grenzen gekommen. Vor allem die Müdigkeit macht mir in Etappen doch zu schaffen.

Aktuell habe ich drei Wochen Zwillingsterror hinter mir. Der 13 Monatsschub und die Zähne haben mir ein paar neue graue Haare geschenkt. Ich bin kaputt und vor allem müde. Gerade vorhin bin ich beim Mittagessen fast am Tisch eingeschlafen.

Da ich noch stille, helfen mir die Hormone nach wie vor die Nächte gut durchzustehen. Auch das Familienbett erleichtert es mir deutlich. Aber die beiden schlafen noch immer nicht lange am Stück. Doch sobald ich mit im Bett bin, erledige ich alles im Halbschlaf. Es sind nun jedoch gut eineinhalb Jahre in denen ich nicht durchgeschlafen habe.

Ich freue mich auf die Zeit, wenn der Papa die beiden ins Bett bringen kann und ich gemütlich auf dem Sofa liege. Vielleicht ein Glas Wein in der Hand und einen guten Film im TV, den ich ohne Unterbrechung an schauen kann. Danach ins Bett gehen und 6-8 Stunden am Stück schlafen.

Doch, wie gesagt, ich stille noch und somit bleibe ich der Hauptdarsteller unserer abendlichen Einschlafbegleitung während der Papa stiller Zuschauer ist. Die Gedanken ans Abstillen kommen immer häufiger. Und als ob die beiden das bereits spüren können, stillen sie plötzlich wieder mehrfach am Tage.

Es ist nur eine Phase und ich weiß, dass die beiden auch wieder besser drauf sein werden. Dann werde ich wieder Kraft schöpfen. Ich kenne es bereits. Denn wir hatten solche Phasen schon.

Es war der Schub um die fünf Monate. Die Zähne schossen ein und die Twins schliefen seit Tagen schlecht. Zu dieser Zeit holte ich sie zu mir ins Bett, denn sie kamen alle 30 Minuten. Legte ich mich daneben schafften sie es auch ein bis eineinhalb Stunden. Doch ehrlicherweise war ich mittlerweile zu müde um auch noch immer auf die Uhr zu schauen. Ich drehte mich nur noch nach links zum einen und nach rechts zum anderen. Meine Auszeit bekam ich, wenn ich sie neben die Badewanne unter ihren Spielbogen legte oder ihre Tagschläfchen mitmachte.

Zu dieser Zeit gab es auch den ersten Konflikt mit meinem Mann. Wobei Konflikt das falsche Wort ist. Ich bekam nicht das Verständnis, dass ich mir erhoffte.

Wenn er nach Hause kam, lief unser Abend immer gleich ab. Ich brachte die Kinder ins Bett. Und dann aßen wir zusammen zu Abend. Die Jungs waren wie gesagt, seit Tagen anstrengend. Und ich weiß, seine Tage sind anspruchsvoll. Meine aber auch.
Und so war es nun an diesem Abend soweit. Ich musste das auch mal sagen. Ich wollte das wir gemeinsam das Abendessen zubereiten. Seine Antwort: „Muss ich jetzt wirklich aufstehen. Ich bin kaputt. Ich habe einen 13 Stunden Tag hinter mir.“

„Nein, dass musst du nicht. Aber denk bitte mal über folgendes nach. Du gehst morgens aus dem Haus und kommst abends wieder. Legst dich dann aufs Sofa. Schläfst die Nächte durch. Wann darf ich mich denn ausruhen? Weil Mama bin ich 24 Stunden am Tag. Sieben Tage die Woche.“

Wir machten dann das Essen gemeinsam und er übernimmt diese Tätigkeit bis heute.

Ich glaube für den Partner ist es schwierig sich vorzustellen, wie der Alltag zu Hause mit Kind bzw. Kindern aussieht. Um so wichtiger ist es, dass man als Paar darüber spricht. Niemand kann die Erwartungen des Anderen erahnen. Nur wenn wir äußern, wie es uns geht und was wir uns wünschen, hat der Partner die Chance darauf zu reagieren. Denn hellsehen kann er nicht.

Es gibt eigentlich nur noch einen Punkt, an dem es mal zur Reibung kommt. Der Haushalt.

Wenn ich bei Instagram die perfekt inszenierten Bilder sehe, denke ich auch oft: Wie kann das sein? Weißer Teppich, weiße Möbel, Blumenarrangements, nirgends Spielzeug und das mit Kindern? Da kann ich meinen Mann schon verstehen, dass er da mehr erwartet.

Ganz ehrlich, ich dusche manchmal erst mittags, wenn sie ihr Schläfchen machen. Wenn mein Mann nicht regelmäßig waschen würde, hätten wir vermutlich nichts zum anziehen. Der Haushalt bleibt oft liegen. Am Abend wird die Küche aufgeräumt, die Spielsachen weg geräumt. Hier kann man nicht vom Boden essen. Aber ich kann damit leben. Ich weiß noch nicht, wie es sein wird, wenn ich wieder ins Büro muss. Aber das blende ich erstmal aus.

In meinem Interview für Zwillingswelten sagte ich: “ Scheut euch nicht um Hilfe zu bitten.“ Über diesen Satz lachte sich mein Mann kaputt. Das liegt jedoch daran, dass wir vollständig unterschiedlicher Meinung sind, wann Hilfe nötig ist.

Ich kann um Hilfe bitten, wenn ich sie für nötig empfinde. Zum Beispiel als ich zum Zahnarzt musste, da passte meine Schwester auf die beiden auf. Als ich die verkalkte Schulter hatte, kam meine Mutter. Oder aber auch als der Hund in die Tierklinik musste, da nahm ich unsere Nichte mit.

Ich bewundere die Frauen, die alles perfekt hinbekommen. Die 100% Mutter, 100% Hausfrau und vermutlich auch noch vieles mehr sind. Ich bin es nicht. Und sage ganz ehrlich. Lieber Staub auf dem Schrank, aber dafür glückliche Kinder.

 

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