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Nachricht an mein kinderloses Ich

Werbung ohne Auftrag

Es war ruhig in den letzten zwei Wochen auf dem Blog. Nach der DS GVO kam das Urteil zur Kennzeichnung der Werbung. Ich musste in mich gehen und entscheiden, ob ich das Risiko einer Abmahnung eingehen will.

In diesen zwei Wochen habe ich ein Fotobuch des ersten Lebensjahres der Twins gestaltet. Und wie schon um ihren Geburtstag herum schwelgte ich in Erinnerung. Nicht nur mit Blick auf die Twins, sondern auch mit Blick auf mich als Mutter.

Denn wie Gertrud von Le Fort schon sagte:

Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter,
sondern auch die Mutter durch das Kind.
Gertrud von Le Fort

Ich habe daher diesen Brief an mein kinderloses Ich verfasst.

Liebe Jess,

du hattest eine konkrete Vorstellung davon, wie du als Mutter sein wolltest. Doch ich muss dir sagen, du hattest keine Ahnung was es eigentlich heißt Mutter zu sein.

Du hast dich immer darüber beschwert, wenn du als kinderlose – die ja eh keine Ahnung hatte – abgetan wurdest. Aber soll ich dir was sagen, du hattest auch keine Ahnung. Was hast du für Vorstellungen gehabt. Du warst ja so schlau. Ich zeige dir mal deine größten Irrtümer auf.

Wo sollen Kinder schlafen

Das war für dich ja glasklar. Kinder haben in ihren Betten zu schlafen. Und diese stehen am besten in ihrem Zimmer. Du bist so groß geworden. Auch deine Schwester hat es so gehandhabt.

Ich muss so lachen, während ich dir diese Zeilen schreibe. Denn du schläfst heute noch mit deinen Kindern zusammen in einem Bett. Deine Kinder haben keine fünf Monate in ihrem Bett geschlafen. Das stand übrigens die ganze Zeit in deinem Schlafzimmer. Dann schossen die Zähne ein und sie ließen sich nicht mehr ablegen. Seit dem schlafen sie bei dir.

Und weißt du was, du genießt es. Und deine Kinder auch, sie brauchen diese Nähe. Deine Nächte sind so deutlich entspannter. Musst du nicht jedes Mal aufstehen und richtig wach sein um sie zu stillen. Du erledigst das einfach im Halbschlaf.

Stillen

Da sind wir auch schon beim nächsten Punkt. Das Stillen.

Du wolltest an Weihnachten dein erstes Glas Wein trinken. Ist es doch üblich bloß sechs Monate zu stillen. Alles darüber hinaus fällt ja schon ins Langzeitstillen. Und das ist ja schon irgendwie verpönt.

Wie dumm du warst. Du hast so hart daran gearbeitet stillen zu können. Milch ist die Hauptnahrung im ersten Lebensjahr. Und soll ich dir was sagen, du stillst noch immer. Und das obwohl sie schon im zweiten Lebensjahr sind.

Stillen ist deine Wunderwaffe. Wenn alles zu viel scheint, kannst du sie so beruhigen, du stillst in der Nacht ihren Hunger. Du hilfst ihnen so in den Schlaf.

Einschlafstillen

Damit sind wir ja auch schon bei deinem nächsten Irrtum. Dem Einschlafstillen.

Das wolltest du auf gar einen Fall. Denn Kinder müssen allein in den Schlaf finden. Es heißt doch, müde aber wach ablegen. Ich kann mir ein Schmunzeln an dieser Stelle nicht verkneifen.

Das hat nämlich nie funktioniert. Sie sind schon immer während des Stillens eingeschlafen.

Klar freust du dich darauf, wenn die Zeit kommt und der Papa die beiden mal ins Bett bringt und du mit einem Glas Wein auf deiner Terrasse bei einem guten Buch sitzt. Aber die Zeit, wo sie nur dich brauchen ist im Grunde so kurz und sie geben dir dafür unglaublich viel zurück. Da ist dieser Verzicht kaum zu erwähnen. Und du wirst dich an diese Tage gerne zurück erinnern, wie sie an dich eingekuschelt eingeschlafen sind.

Glucke

Du bist eine Glucke. Hast du nicht kommen sehen. Es hat sicher auch mit der Zeit nach der Geburt zu tun, aber du kannst und willst dich von deinen Kindern nicht trennen.

Du verstehst, das jeder gerne mal auf die beiden aufpassen würde und es auch nur gut meint. Du hast deine Neffen selbst gern bei dir gehabt. Deine Schwester ist damit auch tiefen entspannt umgegangen.

Du aber willst es nicht und das ist auch absolut in Ordnung. Es wird der Tag kommen, da werden die beiden den Wunsch äußern, mal bei der Oma oder einer Tante zu bleiben. Dann wirst du loslassen. Aber bis dahin bleibst du vermutlich auf ihnen sitzen.

Liebe Jess, es gibt sicher noch so vieles mehr. Aber das würde den Rahmen sprengen.

Genieß den Moment und denk nicht viel darüber nach.

Deine Jess

 

Liebe Muttis in meinem Freundeskreis

An dieser Stelle entschuldige ich mich bei euch. Ich habe über euch geurteilt ohne selbst in dieser Situation gewesen zu sein. Ich wusste es nicht besser. Vor allem meiner Nichte möchte ich sagen, du hast in deinen jungen Jahren so unglaublich viel richtig gemacht. Ich kann das heute sehen, hatte aber als kinderlose durchaus Unverständnis für dein Handeln. Es tut mir leid!

Ihr lieben Kinderlosen

Seid nicht böse, wenn man euch sagt, dass ihr keine Ahnung habt. Denn genau so ist es. Ihr wisst es nicht. Wie denn auch? Ihr könnt es nicht wissen. Ich weiß, ihr meint es sicher gut.

Doch nehmt mich als Beispiel.

Ich steckte einmal in eurer Haut und stehe nun auf der anderen Seite. Ich bitte euch daher, haltet euch einfach zurück. Eine Mutter weiß, was das beste für ihr eigenes Kind ist. Niemand hat das Recht sich hier einzumischen oder aber auch nur ein Urteil darüber zu bilden. Ich hatte dieses Recht auch nicht.

Ich war dumm und gebe das auch gerne zu. Doch meine Kinder haben einfach alles verändert und viele meiner Einstellungen über Bord geworfen.

Wir alle sind geprägt durch unsere Elternhaus, dem Umfeld und den Medien. Ihr könnt euch vornehmen was ihr wollt, am Ende zeigen euch die Kinder wo es lang geht. Und genau so sollte es auch sein.