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Unsere Stillgeschichte in drei Akten – Akt 2 Vollstillen der Zwillinge

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Im ersten Akt habe ich euch erzählt, wie ich vom Abpumpen und Zufüttern zum Vollstillen gekommen bin. Heute erzähle ich euch, wie es in der Phase des Vollstillens mit den Twins gelaufen ist.

Stillen ist ein sensibles Thema. Auf so vielen Ebenen. Für die eine, weil sie nicht stillen kann, die andere weil sie nicht stillen will. Dann die, die Langzeitstillen, oder die, die in der Öffentlichkeit stillen. Gefühlt kann man es niemandem recht machen. Und ich habe eines gelernt. Ich muss es niemandem recht machen, außer mir selbst.

Ich hatte zu Beginn große Hemmungen vor anderen zu Stillen, geschweige denn abzupumpen. Auch vor der Familie, aber vor allem unterwegs. Ich hatte ein großes Mulltuch das ich über uns legte. Ich suchte mir die dunkelste Ecke oder verschwand im Auto, aber selbst dort nur mit Tuch. Doch Woche für Woche entspannte es sich. Einfach, weil es besser funktionierte. Mit der Sicherheit kam das Selbstvertrauen. Und plötzlich stillte ich überall. Wenn die Twins Hunger hatten, stillte ich. So einfach war es.

Es gab da durchaus skurrile Situationen. Wie an der Tankstelle, als ich an der Zapfsäule stillen musste, da alle Parkplätze belegt waren. Es war Hochsommer und ich musste sie Tandem stillen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich zum stillen noch auf den Beifahrersitz gesetzt. Da sprach mich durch das offene Fenster die Frau von der Nachbarszapfsäule an, wie toll sie das fände.

Auch wenn ich hemmungslos wurde, was das Stillen in der Öffentlichkeit anging, so stillte ich nicht Tandem. Ich ließ den zweiten im Wagen und schuckelte ihn mit dem Fuß während ich den anderen stillte. Außer im Auto, dort konnte ich Tandem stillen. Aufgrund eines Staus kam ich auf die Idee, nach hinten zu krabbeln und mich einfach hinten in die Mitte zu setzen. Das klappte super. Am liebsten trug ich meine Schwangerschaftshosen, sie versteckten den Bauch gut während des Stillens.

Oft bekommt man die Frage gestellt, kann man Zwillinge überhaupt stillen. Klar. Viele Frauen schaffen es bereits von Anfang an. Leider demotiviert oft das Umfeld. Ich hätte gern sowas gehört, wie:

  • Wow. Das ist ja toll!
  • Ich drücke dir die Daumen!
  • Klar schafft ihr das!

Das wäre doch mal etwas motivierendes.

Doch nach vier Monaten Stillzeit hörte ich die nächsten Kommentare:

  • Wie du stillst immer noch?
  • Wie lange willst du denn noch stillen?
  • Wenn du ihnen Brei gibst, dann schlafen sie besser.

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen eine Meinung zu so etwas intimen und persönlichem wie dem Stillen haben.

Ich wollte auf jeden Fall die sechs Monate voll stillen. Aufgrund der Schwangerschaftsdiabetes sollte ich dieses sowieso tun. Die Empfehlung lautet auch bis zum dritten Lebensjahr weiter zu stillen. Doch, wenn man darüber spricht, eventuell so lang zu stillen, springen auch die letzten ab. Das Verständnis für Langzeitstillen ist sehr begrenzt.

Dabei ist das Stillen eine Wunderwaffe. Es hilft beim Einschlafen, zum Trösten, zum zur Ruhe kommen, es stillt den Hunger und den Durst und es stillt das Bedürfnis nach Nähe.

Doch viele sehen darin eine Abhängigkeit zur Mutter. Und ich frage mich, was ist daran so schlimm? Müssen Babies den ganzen Tag oder sogar über Nacht ohne ihre Mutter sein? In der Tierwelt bleiben die Jungen auch bei ihren Müttern. Ist es doch ein ganz normales Verhalten. Ich kann es verstehen, dass auch andere die Kinder für sich haben wollen, sie sind ja auch süß. Dass Stillen verhindert dies. Ich fand es gut, so brauchte ich mir keine andere Ausrede überlegen. Denn im ersten Jahr wollte ich sie nicht in fremde Hände geben.

Klar ist das Stillen anstrengend, gerade in den Clusterphasen, wenn sie stundenlang an einem Nuckeln. Da denkt man schon mal, es wäre schön, wenn es jemanden gäbe, der einen ablösen könnte. Doch das wichtigste in diesen Phasen war, es sich gemütlich einzurichten. Ich hatte etwas zu trinken, mein Handy und ein Buch in der Nähe. Und so lagen sie dann manchmal den ganzen Tag auf ihrem Stillkissen auf mir. Und das war ok. Waren diese Phasen nicht andauernd und die beiden sonst sehr schnelle Trinker.

Meine ständige Angst war, dass sie nicht satt wurden. Ich gewöhnte mir daher an, über die Fontanelle zu streichen um zu schauen, ob sie genug Flüssigkeiten hatten. War diese eingefallen stillte ich häufiger und länger.

Man liest viel davon, dass man Zwillinge synchronisieren sollte. Das passierte bei uns durch das Krankenhaus. Hier wurde nach Uhrzeit gefüttert. Doch als wir zu Hause waren und Vollstillen, stillte ich nur noch nach Bedarf. Zumeist hatten sie gleichzeitig Hunger. Wecken kam für mich nicht in Frage nur um des Synchronisieren willens. Gerade in der Nacht fand ich es deutlich angenehmer, wenn sie nacheinander kamen. Vor allem mit Einführung des Familienbettes. Denn seit dem erledigte ich alles im Halbschlaf. Wenn sie dann doch beide zeitgleich kamen, klappte das auch. Doch ich war dann richtig wach.

Um meine Milchmenge während der gesamten Stillzeit hoch zu halten musste ich viel trinken, sehr regelmäßig essen und ich nahm die Höchstdosis Bockshornklee Kapseln. (Bitte sprecht dies mit eurer Hebamme oder Ärztin durch)

Wie wir das Stillen mit Einführung der Beikost reduzierten, bis hin zum Abstillen, könnt ihr im dritten Teil lesen.